Ärztinnen in den Medien

COVID-19-Berichte: Wo waren unsere Medizinerinnen?

Die Geschlechterverteilung in der Corona-Berichterstattung zu Beginn der Pandemie wirft Fragen auf. Daten dazu hat die MaLisa Stiftung erhoben.

Von Lena Jamaszyk Veröffentlicht:

Neu-Isenburg. Mediziner wie Professor Christian Drosten, Professor Alexander Kekulé oder Professor Hendrik Streeck kommen einem wohl sofort in Erinnerung, wenn man an die Anfänge der Corona-Pandemie zurückdenkt. Expertinnen sah man in der Corona-Berichterstattung zu Beginn der Pandemie eher selten.

„Es ist oft so, dass Frauen erstmal überlegen, ob sie wirklich ausreichend qualifiziert sind. Und auch umgekehrt ist es so, dass von Frauen oft mehr an Erfahrung, Rang und Leitungsfunktion erwartet wird, bis sie dann tatsächlich als Expertinnen in Frage kommen“, erklärt die Hamburger Allgemeinmedizinerin Dr. Jana Husemann im Podcast der „Ärzte Zeitung“. „Speziell in der Pandemie ist es so, dass Frauen eher in der Sorgearbeit beschäftigt sind und daher Präsenztermine nicht so einfach wahrnehmen können, wie ihre männlichen Kollegen“, ergänzt sie.

Zu welchen Anteilen Frauen zu Beginn der Pandemie in den verschiedenen Medien sichtbar waren, ermittelten Forscherinnen und Forscher aus Rostock und Stockholm im Auftrag der MaLisa Stiftung. Dazu nahmen sie die Geschlechterverteilung in der Corona-Berichterstattung im Fernsehen und in Online-Ausgaben deutscher Printmedien zwischen dem 16. und 30. April 2020 unter die Lupe („Geschlechterverteilung in der Corona-Berichterstattung“; Universität Rostock 2020; online Mai).

Zu den Themenbereichen Pflege und Medizin wurden Frauen in den 174 begutachteten Informationssendungen im Fernsehen nur zu 17 Prozent befragt.

Das Gender-Blatt wendet sich

Der Anteil befragter Virologinnen ohne Leitungsfunktion betrug 27 Prozent, mit Leitungsfunktion sieben Prozent. Unter den Befragten aus der Epidemiologie und Infektionsforschung ohne Leitungsfunktion waren 94 Prozent männlich.

COVID-19-Berichte: Wo waren unsere Medizinerinnen?

© Quelle: MaLisa Stiftung, Grafik: Ärzte Zeitung

Dass Frauen im Zusammenhang mit Corona-Themen im April 2020 medial selten zu Wort kamen, ist erstaunlich, denn der Anteil der Ärztinnen an der Versorgung beträgt in Deutschland laut Statistischem Bundesamt rund 47 Prozent. Dabei war der Frauenanteil bei im Jahr 2019 anerkannten Facharztbezeichnungen für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie nach Daten der Bundesärztekammer etwa 42 Prozent (Bundesärztekammer 2019).

Im Verlauf der Pandemie wurden dann Medizinerinnen präsenter. „Ich denke das liegt daran, dass Frauen sich gemeldet haben und auf dieses Ungleichgewicht hingewiesen haben“, vermutet Husemann.

Sandra Ciesek wechselt sich zum Beispiel inzwischen mit Christian Drosten im NDR-Podcast ab. Die Braunschweiger Professorin Melanie Brinkmann ist häufig im Fernsehen zu sehen, genauso wie mittlerweile viele andere Wissenschaftlerinnen. Ohne Frage gibt es sie, die Expertinnen – zunehmend auch medial. (lj)

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