COVID-19 / Prävention

Corona-Impfstoff: Karliczek erwartet keine Engpässe

Sollte ein Corona-Impfstoff auf den Markt kommen, dürfte die globale Nachfrage gewaltig sein. Forschungsministerin Karliczek rechnet dennoch mit genug Impfungen für alle Bundesbürger. Ein Wissenschaftler widerspricht.

Veröffentlicht: 26.07.2020, 15:54 Uhr
Corona-Impfstoff: Karliczek erwartet keine Engpässe

Unter Hochdruck wird derzeit an einem Impfstoff gegen das Coronavirus geforscht.

© luckybusiness / stock.adobe.com

Berlin/Hamburg. Die Bundesregierung erwartet bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs in Deutschland keine Engpässe. „Wir sind dabei, die Produktionskapazitäten in Deutschland zu erhöhen“, sagte Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) der „Bild am Sonntag“. „Wenn ein Impfstoff gefunden ist, wird jeder Deutsche, der es will, auch geimpft werden können. Das müssen wir schaffen und das werden wir schaffen.“

Aus der Wissenschaft gibt es Zweifel an solchen Versprechen. Der Experte Jonas Schmidt-Chanasit vom Hamburger Bernard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) hält die Äußerung der Ministerin für unrealistisch. „Ich verstehe nicht, wie man bei diesem hochkomplizierten Thema zu so einer Aussage kommt“, sagte der Virologe der Deutschen Presse-Agentur. „Das geht vollkommen an der Realität vorbei.“

Weltweit suchen derzeit mehr als 170 Projekte nach Corona-Impfstoffen. Zuletzt hatten mehrere Forscherteams vielversprechende Zwischenergebnisse veröffentlicht. Allerdings rechnen Experten mit einem marktfähigen Impfstoff frühestens im kommenden Jahr.

Die Frage der Zulassung

Schmidt-Chanasit sagte, aus medizinischer Sicht sei es extrem unwahrscheinlich, dass ein Impfstoff für sämtlich Altersgruppen – von Kindern bis zu hochbetagten Senioren – zugelassen werde. Hinzu kämen politische Aspekte. „Viele Staaten sichern sich schon jetzt Kapazitäten“, erläuterte der Experte unter Verweis etwa auf die USA und China. Überdies gebe es Unwägbarkeiten, wo Impfstoffe zunächst zugelassen würden.

Die Massenproduktion insbesondere von Lebendimpfstoffen sei sehr aufwendig. Angesichts der globalen Nachfrage stoße sie schnell an Grenzen, erläuterte Schmidt-Chanasit.

Auch Karliczek dämpfte Erwartungen an eine schnelle Impfstoffentwicklung. „Ein zugelassener Impfstoff, der für die breite Masse der Bevölkerung geeignet ist, wird wahrscheinlich frühestens Mitte nächsten Jahres zur Verfügung stehen. Bei der Entwicklung eines Impfstoffes kann es immer Rückschläge geben.“ (dpa)

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