Krankenkassen

Das finden Bürger an Ärzten gut und schlecht

Unverändert Traumnoten für die niedergelassenen Ärzte: Auch wenn über 90 Prozent der Bevölkerung ihnen hohes Vertrauen entgegenbringt und große Fachkompetenz bescheinigt - es gibt Schwächen im Detail. Das zeigt die KBV-Umfrage unter 2000 Bundesbürgern.

Von Helmut LaschetHelmut Laschet Veröffentlicht:

BERLIN. Nur ein Bruchteil der Bürger von etwa fünf Prozent hat kein Vertrauen zu Ärzten und zweifelt ernsthaft an ihrer fachlichen Kompetenz.

Kaum ein anderer Beruf in Deutschland genießt offenbar ein derart hohes Ansehen wie die niedergelassenen Mediziner.

Das Ergebnis der aktuellen Versichertenumfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag der KBV - befragt wurden Ende September 2048 Bundesbürger im Alter zwischen 17 und 79 Jahren - ist dennoch kein Grund, sich die Welt schön zu reden.

Abgesehen von der Ungleichheit der Wartezeiten bei Privat- und Kassenpatienten - letztere müssen nicht selten relativ lang insbesondere auf einen Facharzt-Termin warten - offenbart die Umfrage Schwachpunkte, die nicht allein auf politische Rahmenbedingungen zurückzuführen sind, sondern die auch mit Methoden des Qualitätsmanagements bereinigt werden können.

Für 54 Prozent der Befragten ist Barrierefreiheit sehr wichtig

Beispiel Barrierefreiheit: Insgesamt bewerten die Befragten zu 69 Prozent den Zugang zu den Praxen als barrierefrei. Im Osten sind es nur 60 Prozent, im Westen mit 71 Prozent etwas mehr.Bei den Hausärzten klagt ein Drittel der Befragten über Barrieren, bei den Fachärzten sind es nur 19 Prozent.

Für 46 Prozent aller Befragten, die im vergangenen Jahr einen Arzt aufgesucht haben, ist die Barrierefreiheit ein wichtiges Kriterium - und das gilt für alle Altersgruppen mit nur geringen Abweichungen. Besonders wichtig ist dies aber (54 Prozent) für diejenigen Patienten, die ihren Gesundheitszustand als nicht gut bewerten.

Die Gestaltung des Zugangs zur Praxis ist ein Element der Qualitätssicherung und wird beispielsweise auch in dem vom Göttinger AQUA-Institut entwickelten Europäischen Praxis-Assessment (EPA) als Kriterium herangezogen.

So ergab eine jüngst veröffentlichte Evaluation von EPA (Ärzte Zeitung 196 vom 2. November), dass die an der Qualitätssicherung teilnehmenden Praxen den Zugang für behinderte Patienten um fast 12 Punkte auf 60,2 Prozent verbessert hatten.

Ein kritisches Kapitel ist der unzulängliche Impfschutz in der Bevölkerung - insbesondere vor dem Hintergrund rückläufiger Impfquoten und der in diesem Jahr rasant steigenden Zahl an Masernfällen.

Impfstatus der Befragten korreliert mit der Häufigkeit der Arztbesuche

64 Prozent der Befragten behaupten von sich, dass ihr eigener Impfschutz auf dem aktuellen Stand ist, ein Drittel verneint dies, vier Prozent geben an, es nicht zu wissen.

Eindeutig korreliert der Impfstatus mit der Häufigkeit der Arztbesuche, und 60 Prozent der Befragten sind auch der Meinung, dass vor allem der Arzt an den Impfschutz erinnern sollte.

Obwohl bekannt und akzeptiert ist, dass es für einen hohen Durchimpfungsgrad in der Bevölkerung vor allem auf die Ärzte ankommt, nehmen diese ihre Rolle nicht konsequent wahr, wie die Umfrageergebnisse offenbaren:

Nur 57 Prozent aller Befragten, die selbst einen Hausarzt haben, wurden von diesem im letzten Jahr daran erinnert, sich impfen oder bestimmte Impfungen auffrischen zu lassen. In 42 Prozent war dies nicht der Fall.

Der Osten schneidet etwas besser ab, in kleineren Kommunen sind die Hausärzte etwas konsequenter als in Großstädten.

Auch diese Ergebnisse können nicht allein auf widrige politische Rahmenbedingungen zurückgeführt werden.

Verbesserung durch systematisches Qualtiätsmanagement

Generell können die Praxen ihre Informations- und Präventionsanstrengungen durchaus aus eigener Kraft mit systematischem Qualitätsmanagement verbessern, wie die EPA-Studie gezeigt hat: für die an der Evaluation teilnehmenden Praxen ergab sich in einem Zeitraum von zwei Jahren eine Verbesserung von 15,2 auf 83,4 Prozent.

Aus Patientensicht problematischer Druck wird auf Ärzte ausgeübt, wenn sie dem Apotheker die Arzneimittelsubstitution ("aut idem") erlauben sollen. Nur 49 Prozent der Befragten halten den Austausch wirkstoffgleicher Arzneimittel für richtig - 44 Prozent sind dagegen.

Die Ablehnungsquote ist umso höher, je regelmäßiger Patienten Arzneimittel einnehmen. Die Verunsicherung ist umso größer, je geringer der formale Bildungsstand ist.

Und: Obwohl es Aut idem nun schon etliche Jahre gibt - bei den betroffenen Patienten ist die Akzeptanz dafür, dass nicht der Arzt, sondern der Apotheker das konkrete Arzneimittel auswählt, nicht besonders hoch.

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