WHO definiert

Das sind die größten Gesundheitsbedrohungen

Die Weltgesundheitsorganisation sieht in bestimmten ansteckenden Krankheiten eine große Gefahr. In ihrem neuen Fünfjahresplan sagt sie aber nicht nur den Infektionen den Kampf an.

Von Dr. Thomas Meißner Veröffentlicht: 23.01.2019, 10:24 Uhr
Das sind die größten Gesundheitsbedrohungen

Die Abwehr von Infektionskrankheiten hat bei der WHO einen hohen Stellenwert.

© peterschreiber.media / stock.adobe.com

GENF. In ihrer strategischen Planung hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für die Jahre 2019 bis 2023 ein "Drei-Milliarden-Ziel" formuliert.

Eine Milliarde Menschen mehr als bislang sollen verbesserten Zugang zur Gesundheitsversorgung erhalten, eine Milliarde mehr sollen vor Gesundheitsbedrohungen geschützt werden und eine Milliarde mehr Menschen soll es 2023 gesundheitlich besser gehen als heute. Dafür setzt die Organisation Schwerpunkte, die sie mit gezielten Programmen bearbeiten möchte.

An erster Stelle stehen dabei Luftverschmutzung und Klimawandel. Neun von zehn Menschen atmen der WHO zufolge verschmutzte Luft. Sieben Millionen Menschen pro Jahr sterben deshalb vorzeitig an Krebs, Schlaganfall sowie an Herz- und Lungenerkrankungen – etwa 90 Prozent dieser Todesfälle passieren in Ländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommen.

In diesem Zusammenhang rechnet die WHO zwischen 2030 und 2050 mit jährlich 250.000 zusätzlichen Todesfällen, deren direkte Ursachen Unterernährung, Malaria, Diarrhoe und Hitzestress sein werden.

Selbst wenn alle Versprechungen und Zusagen des Pariser Klimaabkommens eingehalten würden, geht die WHO davon aus, dass sich das Klima in diesem Jahrhundert um mehr als 3°C erwärmen wird.

Natürlich wird sich die Organisation weiterhin für die Prävention von Diabetes, Krebs und Herzkreislauferkrankungen einsetzen. Besonders fallen bei Durchsicht des Fünfjahresplans jedoch die dokumentierten Probleme mit Infektionskrankheiten auf:

Influenza: "Die Welt wird mit einer neuen Influenza-Pandemie konfrontiert werden", heißt es in dem Papier, man wisse nur nicht, wann diese passieren wird und wie schwer sie sein werde.

Zunehmende Resistenzen gegen Antibiotika: Diese bereiten der WHO Sorgen. So waren im Jahre 2017 Tuberkulose-Erreger bei weltweit 600.000 Menschen resistent gegen Rifampicin, 82 Prozent dieser Patienten wiesen Multidrug-Resistenzen auf. Auch gegen Gonokokken, Salmonellen und Pneumonie-Erreger stehen immer weniger Mittel zur Verfügung. Kritisiert wird wieder einmal der Übergebrauch von Antibiotika in der Medizin und in der Tierproduktion.

Ebola: Die zwei Ausbrüche, die allein 2018 im Kongo bekämpft werden mussten, werden ebenfalls angesprochen und sollen im Rahmen eines Programms zur Vorbereitung auf schwere Gesundheitsbedrohungen mit adressiert werden.

Widerstand oder Ablehnung von Schutzimpfungen: Diese werden weiterhin von der WHO kritisiert. Beispielhaft genannt wird der Anstieg von Masernerkrankungen um global 30 Prozent.

Auf der anderen Seite gibt es Erfolge zu vermelden, etwa was die Verbreitung des Poliovirus in Afghanistan und Pakistan angeht: 2018 waren aus beiden Ländern weniger als 30 Erkrankungen gemeldet worden. "Impfungen gehören zu den am meisten kosteneffektiven Möglichkeiten, Krankheiten zu vermeiden", heißt es. "Gegenwärtig verhindern sie zwei bis drei Millionen Todesfälle pro Jahr und weitere 1,5 Millionen könnten verhindert werden, wenn global der Zugang zu Impfungen verbessert würde."

Die Ursachen dafür, warum Menschen sich nicht impfen lassen, seien komplex. Mitarbeiter in Gesundheitsberufen hätten auf diese Frage großen Einfluss. Speziell fördern möchte die WHO unter anderem die Bemühungen um die HPV-Impfungen zum Schutz gegen Zervixkarzinome.

Dengue-Fieber: Dort schließt sich in gewisser Weise der thematische Kreis vom Klimawandel hin zu den gefährlichen Infektionskrankheiten. Denn viele dieser Erkrankungen treten während der Regenzeit in Bangladesch und Indien auf. Die Regenzeit hat sich im Vergleich zu früher signifikant verlängert.

Die Folge: In Bangladesch gab es 2018 so viele Dengue-verursachte Todesfälle wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Inzwischen breitet sich die Krankheit in Gegenden aus, wo sie bislang unbekannt war, nach Nepal zum Beispiel. Von 390 Millionen Infektionen und 20.000 Toten pro Jahr geht die WHO aus. Von 2012 bis 2020 wollte die WHO die Sterberate um 50 Prozent reduziert haben – man wird sehen.

HIV: Ja, es gab enorme Fortschritte bei der Identifikation der Patienten, deren Behandlung sowie präventiven Maßnahmen. Doch noch immer sterben fast eine Million Menschen jährlich an HIV/Aids. Heute leben auf dem blauen Planeten 37 Millionen HIV-positive Menschen. Gerade die Hochrisikogruppen – Sexarbeiter, Gefängnisinsassen, Männer, die Sex mit Männern haben oder Transgender – sind für Initiativen schwer zu erreichen oder können in manchen Ländern Gesundheitsangebote nicht nutzen.

In Subsahara-Afrika, so die WHO, seien zunehmend junge Frauen zwischen 15 und 24 Jahren gefährdet. In diesem Jahr will sich die WHO besonders für Verbreitung von Selbsttests einsetzen, damit die Zahl unerkannter HIV-Infektionen abnimmt und somit die prinzipielle Chance auf eine Behandlung steigt.

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