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Demenz wird das Pflege-Thema

Die absehbare Zunahme von Demenzerkrankungen in den kommenden Jahren fordert alle: Forscher und Politiker müssten sich bereits heute auf diese Herausforderungen einstellen, sagen Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen unisono.

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Kein leichtes Spiel. Demenzen fordern Wissenschaft und Politik.

Kein leichtes Spiel. Demenzen fordern Wissenschaft und Politik.

© Klaus Rose

BERLIN (af/sun). Im Jahr 2050 werden mehr als zwei Millionen Menschen in Deutschland an einer Demenz leiden. Mehr als doppelt so viele als heute.

"Demenzielle Erkrankungen sind vor allem eine medizinische Herausforderung. Es geht darum, frühzeitige Intervention und präventive Potenziale auszuschöpfen", sagte Günther Sauerbrey, Leiter des Zukunftsforums Demenz, einer Initiative des Pharmaunternehmens Merz bei einem parlamentarischen Abend des Unternehmens in Berlin.

Das Spektrum der anerkannten Diagnostika und Therapeutika sei bekannt und stehe der Fachwelt zur Verfügung.

Aus Sicht des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) hakt es vor allem an der Erforschung der Erkrankung. Die Mechanismen des altersassoziierten Nervenzellverlustes seien noch nicht ausreichend verstanden, sagte der BMBF-Staatssekretär Helge Braun.

Bisher lasse sich der Nervenzellenverlust weder verhindern noch rückgängig machen. Bestehende Therapieansätze - wie zum Beispiel der Einsatz von Acetylcholinesterasehemmern - ermöglichten bestenfalls eine geringe Verlangsamung des Verlaufs.

Solidarität auf harter Probe

Es geht jedoch nicht nur darum, für die Zukunft zu forschen: Bereits heute gebe es Möglichkeiten, die medizinische Versorgung von demenziell erkrankten Menschen zu verbessern, sagte der Psychiater Professor Wolfgang Maier vom Kompetenznetz Degenerative Demenzen.

Denn: Machten alle weiter wie bisher, würden die finanziellen Belastungen die Solidarität der Generationen "auf eine harte Probe" stellen. Eine frühe und sichere Diagnostik sei jedoch bereits heute möglich und in der Praxis relativ kostenneutral umsetzbar.

Zudem bräuchten pflegende Angehörige mehr medizinische Unterstützung, bei ihnen seien Depressionen und Burn-out häufig. Ein Augenmerk sollte darüber hinaus auch auf die Begleiterkrankungen gerichtet werden.

"Die Chancen: Pflegesysteme, vor allem Familien, werden entlastet und die Lebensqualität der betroffenen Menschen wird deutlich steigen", so Maier. Bisher würden diese Möglichkeiten jedoch noch nicht hinreichend genutzt.

Studien hätten belegt, dass die aktuelle medizinische Versorgung deutlich unter den Standards der evidenzbasierten Medizin liege.

Die meisten wollen ambulante Pflege

Eines scheint sicher. An einer Demenz erkrankte Menschen werden über kurz oder lang pflegebedürftig 29 Prozent der betroffenen Männer und 46 Prozent der Frauen können ihren Alltag gar nicht mehr alleine bewältigen und werden der Pflegestufe 3 zugeordnet.

Darauf muss sich die Politik einstellen. Auch darauf, dass sich die betroffenen Menschen nicht gleichmäßig über Deutschland verteilen. Darin sind sich die Fachleute einig.

"Der Versorgungsalltag der verschiedenen Regionen in Deutschland wird sich auseinander entwickeln", sagte die Berliner Demenzforscherin Professor Adelheid Kuhlmey von der Charité beim Kongress "Pflege 2012" voraus.

Vor allem in den neuen Ländern werde der Bedarf an Pflegeplätzen zunehmen, sagte Kuhlmey.

Die Politik solle pflegende Familienangehörige besser stellen, mahnte Kuhlmey an. Die bisherigen Initiativen der Regierung gingen nicht weit genug.

Eine Umfrage unter 6000 Menschen habe ergeben, dass die überwiegende Mehrheit zu Hause gepflegt werden will.

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