"Der Klimawandel ist die größte globale Gesundheitsbedrohung des 21. Jahrhunderts"

Ärzte in aller Welt warnen vor wachsenden Gesundheitsrisiken als Folge des Klimawandels und fordern die Teilnehmer des Weltklimagipfels in Kopenhagen zum Handeln auf.

Von Pete Smith Veröffentlicht:
Noch kann er springen: Als Folge der globalen Erwärmung ist auch der Lebensraum von Eisbären massiv gefährdet.

Noch kann er springen: Als Folge der globalen Erwärmung ist auch der Lebensraum von Eisbären massiv gefährdet.

© Foto: dpa

Die Erderwärmung bedroht die Gesundheit von Millionen Menschen nicht allein durch die wachsende Gefahr von Naturkatastrophen, sondern auch durch die Ausbreitung von Krankheiten und Seuchen, warnen Ärzte im Fachmagazin "The Lancet" aus Anlass der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen. Die Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW) fordern von den Konferenzteilnehmern konkrete Ziele wie beispielsweise eine nachhaltige Senkung des Energieverbrauchs sowie einen entschiedenen Ausbau der erneuerbaren Energien.

"Der Klimawandel ist die größte globale Gesundheitsbedrohung des 21. Jahrhunderts", zitiert Richard Horton, Chefredakteur des "Lancet", in einem Kommentar der aktuellen Ausgabe (374, 2009, 1869) die zentrale Aussage eines Berichts, den das University College London (UCL) in Kooperation mit dem "Lancet" herausgebracht hat und der sich mit den Folgen der Erderwärmung befasst. Die unter Federführung von Professor Anthony Costello entstandene Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass weltweit Milliarden Menschen von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sein werden. Bis zum Jahr 2100 werde sich die Erde voraussichtlich zwischen zwei und fünf Grad erwärmen. Naturkatastrophen wie Überschwemmungen, Flutwellen, Stürme, Dürren und Hitzewellen seien die Folge. Endemische tropische Krankheiten wie Malaria und Dengue-Fieber, so die Aussage der Ärzte, werden sich auch in nichttropischen Regionen ausbreiten. Durch sinkende Ernteerträge in Folge von Dürren werden immer mehr Menschen hungern, die Wasserknappheit wird zu einem weiteren Mangel an Hygiene und damit für die dramatische Ausbreitung von Seuchen sorgen.

Sollte auf der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen die Zustimmung zu radikalen Verringerungen der Emissionen verweigert werden, so hätte dies mit Blick auf die globale Gesundheit eine Katastrophe zur Folge, warnt der britische Epidemiologe Professor Sir Michael Marmot in einem gleichzeitig im "Lancet" (374, 2009, 961) und im "British Medical Journal" veröffentlichten Kommentar. "Ein erfolgreicher Abschluss in Kopenhagen ist unerlässlich für unsere Zukunft als Spezies Mensch und unsere Zivilisation. Notwendig ist, dass die reichen Länder ihre Verpflichtungen gegenüber den ärmeren erkennen, und dass die ärmeren Länder erkennen, dass der Klimawandel ein globales Problem darstellt, das eine globale Lösung erfordert, zu der wir alle beitragen müssen." In der Korrespondenz, die Marmots Kommentar begleitet, bemerken weltweit führende Ärzte, vertreten durch Professor Ian Gilmore, Präsident des Royal College of Physicians in London: "Als führende Ärzte vieler Länder rufen wir die Ärzteschaft auf, dass sie von ihren Politikern einfordern, eindeutige Fakten zur Kenntnis zu nehmen, die im Zusammenhang mit dem Klimawandel stehen, und dass sie jetzt handeln und Strategien einführen, die den Gemeinschaften weltweit gesundheitlichen Nutzen bringen."

Die IPPNW fordert von der UN-Klimakonferenz eine Absage an fossile Energien und die Kernkraft. "Der Welt-Klimagipfel in Kopenhagen braucht eine klare Richtungsentscheidung für eine dezentrale Energieerzeugung auf der Basis erneuerbarer Energien", sagte die Vorsitzende der deutschen IPPNW-Sektion Dr. Angelika Claußen.

Im Einzelnen fordert die Ärzte-Organisation ein Neubauverbot für fossile Großkraftwerke und Atomkraftwerke sowie eine möglichst schnelle Stilllegung laufender Kernkraftwerke, um den Strukturwandel hin zu erneuerbaren Energien zu beschleunigen.

Den eindringlichen Appellen ihrer Kollegen an die in Kopenhagen vertretenen Politiker schließt sich auch WHO-Generaldirektorin Margaret Chan an. "Der Klimawandel ist der Preis, den wir für eine kurzsichtige Politik bezahlen", schreibt sie in einem Gastbeitrag für den "Lancet".

Weltklimarat setzt auf raschen Kurswechsel

Um die gefährlichsten Folgen des Klimawandels abzuwenden, müssen Treibhausemissionen weltweit bis 2050 um etwa 80 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 reduziert werden, fordert der Weltklimarat.

Europa kann dieses Ziel durchaus erreichen, lautet das Fazit einer Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung im Auftrag der Europäischen Kommission. (Smi)

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