Großbritannien

Der NHS soll grüner werden

Emissionsfreie Krankentransporte, bessere Recyclingsysteme für Arztpraxen, effizientere Isolierung von Klinikneubauten – so will das britische Gesundheitssystem bis 2040 klimaneutral werden.

Von Arndt StrieglerArndt Striegler Veröffentlicht:
Schön anzusehen, aber auf dem Weg zu einem klimaneutralen britischen Gesundheitssystem wohl bald nicht mehr gern gesehen. Eine Spitfire mit einer Dankesbotschaft für die NHS-Mitarbeiter.

Schön anzusehen, aber auf dem Weg zu einem klimaneutralen britischen Gesundheitssystem wohl bald nicht mehr gern gesehen. Eine Spitfire mit einer Dankesbotschaft für die NHS-Mitarbeiter.

© picture alliance / empics

London. Blauer Himmel bald über britischen Krankenhäusern und Arztpraxen – das jedenfalls ist das Ziel einer in COVID-19-Zeiten etwas untergegangenen aktuellen Initiative, die das Ziel hat, Großbritanniens Gesundheitswesen „bis spätestens 2040 klimaneutral“ zu machen. „Das Gesundheitswesen muss seinen Beitrag zum Umweltschutz leisten und damit helfen, den Klimawandel zu stoppen“, hieß es bei der Vorstellung des Programms „For A Greener NHS“.

„Das Jahr 2020 war und ist völlig von COVID-19 dominiert“, so Sir Simon Stevens, Chef des staatlichen britischen Gesundheitsdienstes (National Health Service, NHS). „Aber der Klimawandel stellt die größte anhaltende Bedrohung der Gesundheit dar!“ Erstes Teilziel der Aktion ist es laut Sir Simon, die Emissionen in Großbritanniens Kliniken und Arztpraxen „bis 2028 um 80 Prozent“ zu senken.

Auch Zulieferer sollen sich beteiligen

2040 soll das Gesundheitswesen dann gänzlich emissionsfrei sein, bis 2045 sollen auch alle Zulieferer mit einbezogen werden. Wie soll das geschehen? Die ersten Krankenwagen sollen bereits 2022 emissionsfrei Patienten befördern. Klinikneubauten sollen stärker als bisher unter Umweltschutzaspekten geplant und gebaut werden. Und auch in den NHS-Primärarztpraxen soll sich einiges ändern, hieß es in London. Ob verbesserte Recycling-Systeme, effizientere Gebäudeisolierung, das Vermeiden unnötiger Praxisbesuche oder nachhaltige Praxisausstattungen – alles der Umwelt zu liebe.

Experten schätzen, dass zwischen vier und fünf Prozent aller schädlichen Emissionen in Großbritannien auf die Kosten der Gesundheitsversorgung gehen. Das Thema fand bislang relativ wenig gesundheitspolitisches Gehör. Der NHS kämpft seit vielen Jahren mit internen Problemen, nicht funktionierenden Gesundheitsreformen, Personalmangel und Geldknappheit. Zugleich steigt die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen exponentiell. Da wurden Themen wie der Umweltschutz vernachlässigt.

Luftverschmutzung belastet die Briten stark

Bei einer kürzlich durchgeführten Studie des Londoner Kings College in neun britischen Städten kam heraus, dass zum Beispiel an Tagen mit extrem hoher Luftverschmutzung täglich 673 zusätzliche Herzinfarkte und Klinikeinweisungen als Folge von Asthma und Schlaganfällen zu beklagen sind. Es wird geschätzt, dass die Luftverschmutzung jährlich rund 36.000 Patienten im Königreich das Leben kostet.

Die NHS-Green-Kampagne findet auch außerhalb des Königreichs Beachtung und Beifall. „Voraussetzung für ein klimaneutrales Gesundheitswesen ist sicher auch in Deutschland eine Bestandsaufnahme des ökologischen Fußabdrucks des Gesundheitswesen“, so der Psychiater Dieter Lehmkuhl, Vorstandsmitglied der Organisation KLUG, einem eingetragenen Verein, der sich um das Thema Klimawandel und Gesundheit kümmert.

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