Wissensdefizite ausgemacht

Diabetes-Hilfe fordert: Pflegekräfte müssen stärker zu Diabetes geschult werden

Pflegekräfte haben oftmals große Wissensdefizite, was Diabetes anbelangt, mahnt der Landesverband NRW der Deutschen Diabetes-Hilfe. Einrichtungen, Beschäftigte, aber auch die Politik seien in der Pflicht.

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Etwa jeder fünfte Krankenhauspatient in Deutschland hat Diabetes – Verbände fordern schon deshalb mehr diabetologisches Grundwissen bei Pflegekräften.

Etwa jeder fünfte Krankenhauspatient in Deutschland hat Diabetes – Verbände fordern schon deshalb mehr diabetologisches Grundwissen bei Pflegekräften.

© drubig-photo / stock.adobe.com

Berlin/Duisburg. Vertreter der Selbsthilfe haben sich für eine bessere diabetologische Aus- und Weiterbildung von Pflegekräften ausgesprochen.

„Der demografische Wandel führt dazu, dass auch Diabetiker immer älter werden und aufgrund kognitiver oder demenzieller Einschränkungen irgendwann nicht mehr in der Lage sind, ohne fremde Hilfe ihren Alltag zu bewältigen“, sagte der Vorsitzende des Landesverbands Nordrhein-Westfalen der Deutschen Diabetes-Hilfe DDH-M NRW, Norbert Kuster, am Mittwoch.

Gebraucht würden „unbedingt“ Pflegekräfte, die über ausreichend Wissen zum Diabetes mellitus verfügten, sagte Kuster anlässlich des am Donnerstag (12. Mai) stattfindenden internationalen Tags der Pflegenden.

Anreize für mehr Fort- und Weiterbildung

Kuster erinnerte daran, dass heute bereits über 8,5 Millionen Bundesbürger an Diabetes erkrankt und somit auch auf diabetesgeschultes Personal in Krankenhäusern, Altenheimen sowie bei ambulanten Pflegediensten angewiesen seien.

Die Politik habe daher Rahmenbedingungen zu schaffen, die eine diabetologische Nachqualifikation „in jeder ambulanten und stationären Einrichtung der Langzeitpflege, Psychiatrie und in der Akutpflege“ ermöglichten. Auch pflegende Angehörige seien stärker zu schulen.

Darüber hinaus brauche es „Anreize“, die bewirkten, dass sich Einrichtungen und Pflegekräfte mehr „diabetologische Expertise“ aneigneten. Dazu seien auch digitale Tools zur Fort- und Weiterbildung zu nutzen. Kuster verwies auf ein Positionspapier, das sein Verband im Vorfeld der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am kommenden Sonntag vorgelegt habe.

„Aus- und Weiterbildung derzeit nicht ausreichend“

Die Kölner Gesundheits- und Krankenpflegerin Claudia Lenden hob auf eine bundesweite Untersuchung ab, der zufolge etwa jeder fünfte Patient im Krankenhaus an Diabetes erkrankt sei. „Trotz dieser hohen Prävalenz ist die Aus- und Weiterbildung von Pflegefachkräften zu Diabetes nicht ausreichend“, stellte Lenden fest.

In der Ausbildung zur Pflegefachkraft würden 20 Stunden für Fragen zum Diabetes verwendet, so Lenden. Eine verpflichtende Fortbildung zu dem Thema nach dem Examen gebe es nicht. Das führe zu Wissensdefiziten.

So könne nur etwa ein Drittel des Pflegepersonals richtige Antworten zu Fragen der Ernährung bei Diabetes und lediglich 16 Prozent zur Anpassung der Insulindosis geben, berichtete Lenden unter Verweis auf Befragungen unter Pflegekräften. Im Arbeitsalltag erschwerten Zeitmangel sowie Probleme in der Zusammenarbeit mit Ärzten die Versorgung von Menschen mit Diabetes.

Schöning: Defizite auch bei Pflegediensten

Doris Schöning, Mitglied im Fachbeirat der DDH-M NRW, machte ähnliche Defizite bei Pflegediensten aus. Die dort Beschäftigten verfügten zwar über hohe pflegerische Kompetenz, doch leider meist über ein geringes diabetologisches Wissen. „Angehörige erhalten auf einmal semikorrekte Informationen von den Pflegenden – anders als Diabetesteams sie vermitteln.“

Kuster betonte, es gehe dem Verband nicht darum, Pflegebeschäftigte „anzuzählen“ oder ihnen Vorwürfe zu machen. Ziel sei vielmehr, die Pflegekräfte zu motivieren, sich ausreichend Wissen im Umgang mit dem Diabetes anzueignen. (hom)

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