Interview

"Die Debatte darf nicht beschränkt sein auf Fachzirkel"

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Mit der Veröffentlichung der Charta ist die Arbeit der drei Trägerorganisationen noch längst nicht beendet, erläutert Dr. Birgit Weihrauch, Vorstandsvorsitzende des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbandes (DHPV).

Ärzte Zeitung: Die Präsentation der Charta in der Öffentlichkeit soll nur ein Zwischenschritt sein. Was wollen Sie als nächstes tun?

Dr. Birgit Weihrauch: Die Verabschiedung der Charta ist in der Tat ein sehr wichtiger Schritt. Über 50 Organisationen waren am Runden Tisch an der Erarbeitung der gemeinsamen Ziele und Empfehlungen für eine Verbesserung der Situation schwerstkranker und sterbender Menschen und ihrer Angehörigen beteiligt. Als nächstes müssen wir die Charta in der Fachöffentlichkeit, aber auch in der Bevölkerung bekannt machen. Denn die Debatte darf nicht nur in Fachzirkeln stattfinden, wir brauchen auch einen gesellschaftlichen Diskussionsprozess.

Ärzte Zeitung: In der Vergangenheit sind viele gute Debattenbeiträge folgenlos in den Schubladen verschwunden. Wie wollen Sie verhindern, dass die Charta das gleiche Schicksal erleidet?

Weihrauch: Das Anliegen des DHPV wie auch der beiden anderen Träger ist es, dass diese Charta auch umgesetzt und möglichst auch Transparenz über das Erreichte hergestellt wird. Wir wollen als Träger selbst Impulse setzen - beispielsweise bei der Weiterentwicklung der Strukturen, bei der Aus-, Weiter- und Fortbildung oder bei der Qualitätssicherung.

Ärzte Zeitung: Von wem erhoffen Sie sich Unterstützung? Weihrauch: Natürlich brauchen wir die Unterstützung der Politik. Es geht dabei nicht nur um neue Gesetze, sondern auch um die Weiterentwicklung und Umsetzung schon vorhandener Rechtsgrundlagen, hier hat der Gesetzgeber in der letzten Legislaturperiode viel auf den Weg gebracht - nennen möchte ich z.B. die Weiterentwicklungen in der Ambulanten Palliativversorgung - spezialisiert und allgemein. Wichtige Aufgaben liegen bei den Ländern mit ihrer Verantwortung in der Gesundheitspolitik oder bei den Kommunen, zu deren Aufgaben es z. B. gehört, die verschiedenen Partner auf lokaler Ebene zu Netzen zusammenzubringen. Die Partner der Selbstverwaltung, Fachverbände und Fachgesellschaften, aber auch die Einrichtungen vor Ort haben in ihren Verantwortungsbereichen vielfältige Möglichkeiten, mitzuwirken. Die Verantwortung ist also breit verteilt. Ärzte Zeitung: Sterben und Tod - das sind schwere und schwierige Themen. Wie groß ist die Bereitschaft in der Bevölkerung, sich damit auseinanderzusetzen?

Weihrauch: Die Bereitschaft, sich mit diesen Themen zu beschäftigen, ist außerordentlich wichtig. Hier ist mit der Hospizbewegung eine große gesellschaftliche Bewegung schon in Gang gekommen. Bundesweit engagieren sich etwa 80 000 Ehrenamtliche in der Hospizbewegung. Ich bin optimistisch, dass es uns gelingen wird, das Thema noch breiter in der Bevölkerung zu verankern.

Die Fragen stellte Florian Staeck.

Lesen Sie dazu auch: Ein Votum für das Sterben in Würde Interview: "Die Debatte darf nicht beschränkt sein auf Fachzirkel" Charta zur Betreuung Sterbender vorgestellt Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Charta gut, alles gut?

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