TV Kritik Diagnose Tod

Die Hoffnung gibt die Kraft für den Alltag

Wie lebt ein Patient mit einer Krebs-Diagnose? Das ZDF zeigte in der Reihe "37-Grad" zu später Stunde, wie zwei Betroffene mit dem nahen Tod umgehen.

Von Pete Smith Veröffentlicht: 07.05.2009, 05:00 Uhr

"Jeder stirbt allein", sagt die Patientin, "das muss man aushalten." Das war das zentrale Thema der ZDF-Reportage "37 Grad: Bis zur letzten Sekunde", die am Dienstagabend ausgestrahlt wurde: Wie hält ein Krebspatient sein tägliches Sterben aus? Wie seine Familie? Und wie der Zuschauer, der das Leid der Betroffenen am Bildschirm verfolgt?

In ihrem Film stellt die Autorin Wibke Kämpfer zwei Menschen vor, die unmittelbar vom Tod bedroht sind: die 44-jährige Jasmin, die an Brustkrebs erkrankt ist, und den 56-jährigen Bundeswehr-Arzt Alfred Thomas, der sich mit der Diagnose Glioblastom konfrontiert sieht. Über ein Jahr begleitet die Regisseurin beide Patienten, bis die eine stirbt und der andere neue Hoffnung schöpft.

Die Aussagen der Betroffenen sind nicht neu: Den eigenen Tod vor Augen, lebt der Mensch viel intensiver, besinnt er sich neu, knüpft die losen Enden seines Lebens zu einem Ganzen. Indem der Zuschauer jedoch die alltägliche Präsenz des Todes miterlebt, erfahren jene Zeugnisse eine Unmittelbarkeit, die ihn nicht unberührt lassen und am Ende auch über seine eigene Endlichkeit nachdenken lassen. Schade nur, dass der Film zu so später Stunde gezeigt wurde.

Die Kraft, ihren Alltag zu bewältigen, das wurde deutlich, schöpfen die Betroffenen vor allem aus der Hoffnung. Selbst die schlimmste Prognose vermag jene nicht zu zerstören. Mit seinem Gehirntumor bleiben Alfred Thomas nur noch wenige Monate Zeit, sagen die Spezialisten, doch am Ende siegt die Hoffnung über die Wahrscheinlichkeit - wenigstens ein Jahr lang.

Anders bei Jasmin: Brustkrebs ist heilbar, und lange Zeit sieht alles gut aus. Die Chemotherapie schlägt an, allmählich findet Jasmin ins Leben zurück. Bis sich ihr Zustand innerhalb weniger Wochen dramatisch verschlechtert und sie kurz darauf stirbt. Zurück bleiben ihr Mann Gustavo und ihr kleiner Sohn Geronimo. "Wir lernen", sagt Gustavo, "es ist eine neue Welt für uns." Oder wie die Lyrikerin Mascha Kaléko dichtete: "Den eigenen Tod, den stirbt man nur, doch mit dem Tod der andern muss man leben."

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