Dass Pharmaunternehmen sich an Integrationsverträgen beteiligen dürfen, sorgt bei Ärzten für Skepsis. IV-Verträge erleben aber insgesamt betrachtet eine Renaissance.

Von Christiane Badenberg

Seit dem Auslaufen der Anschubfinanzierung für die Integrierte Versorgung im Jahr 2008 war es um dieses Thema still geworden. Doch dann wurde auf einmal in den vergangenen Wochen zum Teil wieder heftig über IV-Verträge gestritten. Auslöser der Diskussionen war der mit dem AMNOG novellierte Paragraf 140 b des SGB V. Der erlaubt es nun auch pharmazeutischen Unternehmen, sich an Verträgen zur integrierten Versorgung zu beteiligen.

Diese Regelung stört vor allem Ärzte. Sie fürchten, Pharmahersteller könnten Einfluss auf die medizinische und vor allem medikamentöse Versorgung der Patienten nehmen. Die AOK Niedersachsen, die einen der ersten Integrationsverträge dieser Art mit einer 100prozentigen Tochterfirma des Arzneimittelherstellers Janssen-Cilag abgeschlossen hat, weist diese Kritik zurück. "Wir haben ein genaues Controlling. Wenn die Verschreibung bestimmter Medikamente bei den im Vertrag betreuten Patienten sich verändert, etwa zu Gunsten von Janssen-Cilag, steuern wir sofort gegen", versichert der Sprecher der AOK Niedersachsen Klaus Altmann. Kritisch beäugt werden diese Verträge sicher aber auch weiterhin.

Insgesamt sieht es für die Zukunft der Integrierten Versorgung aber gar nicht schlecht aus. Immer mehr Kassen erkennen, dass sich diese Verträge auch ohne finanzielle Unterstützung durch die Anschubfinanzierung für sie rechnen. Denn mit ihnen können sie verstärkt Einfluss auf Wirtschaftlichkeit und Qualität der Versorgung nehmen. Zudem eignen sich die speziellen Angebote gut als Marketinginstrumente im immer härteren Wettbewerb um Versicherte.

Bei einer Umfrage unter 17 Kassen, bei denen die Hälfte der Deutschen versichert ist, gaben 80 Prozent an, dass sie der IV-Versorgung eine wachsende Bedeutung zumessen. Fakt ist: In diesem Jahr haben die Kassen weniger als 2009 für die integrierte Versorgung aufgewendet. Der Anteil am Gesamtbudget lag bei 0,51 Prozent im Vergleich zu 0,64 Prozent im Vorjahr. Aber in den kommenden zwei Jahren sollen diese Anteile auf 0,73 und 0,76 Prozent erhöht werden.

Cornelia Prüfer-Storcks von der AOK Rheinland/Hamburg machte kürzlich auf einem Kongress deutlich, warum es sich für ihre Kasse lohnt, in die Integrierte Versorgung zu investieren. Gut für das Image sei zum Beispiel ein Engagement in der Onkologie, der Kindergesundheit und der Schwangerenvorsorge. Bei psychischen Erkrankungen könne eine qualitativ bessere Betreuung erreicht und bei der Versorgung von Diabetespatienten die Wirtschaftlichkeit verbessert werden.

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