Berufspolitik

"Die Staatsmedizin wird schleichend eingeführt"

RATZEBURG (di). Ärzte und Vertreter gesetzlicher Krankenkassen warnen vor der schleichenden Einführung eines staatlichen Gesundheitswesens. Bei einer gemeinsamen Veranstaltung des Hartmannbundes und des NAV Virchowbundes forderten sie eine öffentliche Diskussion über die Folgen.

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"Über ein staatliches Gesundheitswesen kann man diskutieren. Mich stört, dass man das schleichend einführt", sagte Schleswig-Holsteins VdAK-Leiter Dietmar Katzer auf der gemeinsamen Delegiertentagung der Landesverbände Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

Ärzte des NAV Virchowbundes und des Hartmannbundes teilten Katzers Sorge, dass mit Einführung des Gesundheitsfonds die Spielräume für die regionale Selbstverwaltung stark beschnitten werden. Katzer sieht damit Sonderverträge zur regionalen Versorgung in Gefahr.

Denn: Viele solche Projekte werden unter dem zunehmenden Kostendruck für die Krankenkassen nur noch über einen Zusatzbeitrag finanzierbar sein. Den aber werden Krankenkassen nach Einschätzung Katzers kaum erheben, weil sie sonst Austritte und als Folge weniger Ausnahmen, Unterdeckungen und schließlich Übernahmen durch Konkurrenten befürchten müssen.

"Der erste, der eine Prämie erhebt, wird dies nicht überstehen", prophezeite Katzer. Logische Folge sei, dass Kassen ihre Leistungen kürzen, um die Prämie zu vermeiden. Mecklenburg-Vorpommerns NAV-Chef Dr. Andreas Donner sieht damit den ambulanten Bereich in seinen Leistungsmöglichkeiten beschnitten und die Selbstverwaltung gefährdet. Schleswig-Holsteins Hartmannbundchef Bernd Thomas hält eine öffentliche Diskussion über Art, Menge, Qualität und Preis der medizinischen Leistungen daher für überfällig.

Deutlich wurde, dass Krankenkassen und Ärzte anders als früher gemeinsam nach Lösungen suchen wollen. Katzer: "Wir dürfen uns nicht in einen Krieg jagen lassen, dann wird es nur Verlierer geben."

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