Pflege

Die neue Pflegekraft - ein Milliardenprojekt

Die Ausbildung von Pflegekräften in Deutschland steht vor tief greifenden Umwälzungen. Die Neuausrichtung könnte eine Milliarde Euro im Jahr mehr kosten als das heutige Ausbildungssystem, schätzen Fachleute.

Von Anno Fricke Veröffentlicht: 20.03.2012, 09:45 Uhr
Die neue Pflegekraft - ein Milliardenprojekt

Pflegekräfte bei der Arbeit. Über ihre Ausbildung wird gestritten.

© photos.com

Berlin. Die heute noch getrennten Ausbildungsgänge für Alten- und Krankenpfleger sollen in einer Ausbildung zur Pflegekraft zusammengeführt werden. Darauf hat sich eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe verständigt.

Bei einer ersten Verbändeanhörung im Gesundheitsministerium wurde deutlich: Im Grundsatz sind von den Pflegeverbänden über die Krankenkassen bis zu den Ausbildern in den Krankenhäusern und Pflegeheimen praktisch alle dafür, die Attraktivität der Pflegeberufe zu steigern und die Ausbildung zu vereinheitlichen.

Über die Ausbildungsinhalte wird schon jetzt diskutiert Was die künftigen Ausbildungsinhalte angeht, sind die Vertreter von Kranken- und Altenpflege allerdings nicht auf einer Linie.

„Wir werden genau darauf schauen, dass die Inhalte der Altenpflegeausbildung auch weiterhin gelehrt werden“, sagte Herbert Mauel, Geschäftsführer des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste der „Ärzte Zeitung“.

Furcht um Ausbildungsinhalte

So wie Mauel um die „wichtigen, wertvollen Inhalte“ der Altenpflegeausbildung fürchtet, geben sich auch die Vertreter der Krankenpflege alarmiert.

Das Prinzip „alle dürfen alles“ werde den Anforderungen in der Krankenpflege zum Beispiel auf Frühchenstationen oder in der medizinischen Rehabilitation nicht gerecht, heißt es von dieser Seite.

Die Bund-Länder-Arbeitsgruppe geht davon aus, dass „Fort- und Weiterbildungen das Berufsfeld künftig stärker prägen werden als bisher.“ Die Pflegeausbildung neu aufzustellen kommt teuer, rechnen Fachleute.

Es würden mehr Lehrer benötigt, die Auszubildenden würden höher qualifiziert und es entstände ein völlig neuer akademischer Zweig der Ausbildung. Die Frage der künftigen Finanzierung ist bislang offen.

Die Arbeitsgruppe hat dazu lediglich lose Vorschläge unterbreitet. Übrigens: Wieviel die Ausbildung heute tatsächlich kostet, liegt im Dunkeln.

Änderungen sollen zwölf Milliarden Euro kosten

Eine grobe Addition der von der Bund-Länder-Gruppe angenommenen Zahlen ergibt eine Summe von mehr als zwölf Milliarden Euro im Jahr nur für Schulkosten und Ausbildungsvergütungen.

Die Frage ist, wer zahlt: Keiner will zu kurz kommen „Die bestehenden Ausbildungsplätze müssen erhalten bleiben“, warnte der Präsident des Deutschen Pflegerates, Andreas Westerfellhaus, davor, Mehrkosten durch den Abbau von Ausbildungsplätzen gegenzufinanzieren.

Derzeit absolvieren etwa 120 000 Menschen eine Ausbildung zum Alten- oder Krankenpfleger. Die Länder haben in den vergangenen Jahren Ausbildungsplätze geschaffen.

Der GKV-Spitzenverband ist nicht mit allen neu entstehenden Kostenpositionen einverstanden. Den Vorschlag, den Studierenden in einer akademischen Variante der Pflegeausbildung einen Lohn zu bezahlen, sieht man bei den Kassen kritisch.

Wer soll die Kosten tragen?

Damit setze die Arbeitsgruppe falsche Anreize gegen die praktische Ausbildung, sagte GKV-Verbandssprecherin Ann Marini der „Ärzte Zeitung“. Ausbildungsförderung sei keine Kernaufgabe der Kassen.

Dass die Mehrkosten nicht in Form von Schulgeld auf die Pflegeschüler oder in Form von Beiträgen auf die Kranken- und Pflegeversicherten abgewälzt werden dürften, darüber sind sich die Beteiligten an diesem Diskussionsprozess einig.

Die Länder seien bei der Finanzierung der Schulen weiterhin in der Pflicht. Zudem sollten sich auch diejenigen Einrichtungen beteiligen müssen, die Pflegekräfte beschäftigen, aber nicht selbst ausbilden, lautet der Tenor.

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