Direkt zum Inhaltsbereich

Disput um Erstattung von Blutzuckerteststreifen

Wenn die Verordnung von Blutzuckerteststreifen für Patienten mit Typ-2-Diabetes, die nicht mit Insulin behandelt werden, aus der Erstattung gestrichen werden sollte, droht eine Verschlechterung der Versorgung.

Veröffentlicht:

ELMAU (sto). Diabetiker, die kein Insulin spritzen, aber insulinfreisetzende Medikamente wie Sulfonylharnstoffe oder Glinide einnehmen, profitieren von einer regelmäßigen Blutzuckerselbstkontrolle, erklärte Dr. Bernhard Kulzer vom Forschungsinstitut der Diabetes Akademie Bad Mergentheim (FIDAM) bei den 10. Elmauer Gesprächen von Roche Diagnostics. Denn die Blutzuckerselbstkontrolle sei für die Betroffenen die einzige Möglichkeit, das Risiko für Hypoglykämien zu reduzieren.

Sollte der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) eine Änderung der Arznei-Richtlinie mit einem Verordnungsausschluss für Harn- und Blutzuckerteststreifen bei nicht-insulinpflichtigen Diabetikern beschließen, so würde dies bedeuten, dass sich die Mehrheit der Diabetiker die Teststreifen entweder selbst beschaffen oder aber zur Kontrolle immer zum Arzt gehen müsste, erklärte Kulzer. Betroffen von einem Verordnungsausschluss wären außerdem Diabetiker mit eingeschränkter Nierenfunktion, Hypothyroidismus oder Leberschäden sowie Patienten, die bestimmte Antihypertonika einnehmen. Auch in diesen Fällen bestehe ein erhöhtes Hypoglykämierisiko, so Kulzer. Die Blutzuckerselbstkontrolle sei die einzig verlässliche Methode, um eine bestehende oder drohende Unterzuckerung festzustellen.

Grundlage der bevorstehenden Entscheidung im GBA ist ein Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Dieser sei von vielen Experten scharf kritisiert worden, berichtete Kulzer. So sei die Gefahr von Hypoglykämien vom IQWiG stark unterschätzt und nicht angemessen berücksichtigt worden. Die Bedeutung der Selbstkontrolle für die Fahrtauglichkeit sei in dem Bericht überhaupt nicht angesprochen, obwohl das für die Patienten sehr wichtig sei.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Pharmazeutische Dienstleistungen

Nachfrageschub für Grippeimpfung in Apotheken – aber auf Niedrigstniveau

Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
Dr. Thomas Georg Schätzler 11.03.201118:44 Uhr

Googlen Sie mal "Blood Sugar Test Strips"...and you can say you to me!

...und Sie bekommen 758.000 Ergebnisse und werden Ihr Blaues Wunder erleben. Bei allen Treffern, selbst bei Wikipedia, werden Sie (un)sanft auf "Blood Glucose" hingewiesen.

Was der G-BA und peinlicherweise auch das IQWiG als "wissenschaftlichen Beweis" nimmt, dass Blut g l u c o s e messungen der Patienten selber bei Diabetes mellitus keinen Nutzen haben, lässt sich allein damit entkräften, dass bereits Metabolische Syndrome mit verringerter Glucosetoleranz und beginnender Insulinresistenz dedektiert werden können.

Und wenn die "Kollegen" des G-BA, der GKV-Kassen, der KBV und der BÄK zwischen dem Disaccharid Saccharose (Sucrose) und dem Monosaccharid Glucose zu differenzieren gelernt haben, kann ich nur Altbundeskanzler, Dr. jur. Helmut Kohl, zitieren, was Sie dann Alle dürfen:
"You can say You to me".

Freundliche, kollegiale Grüße, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Abb. 2: Sekundärer Endpunkt der BOREAS-Studie: Veränderung der Lungenfunktion unter Dupilumab versus Placebo

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Typ-2-Inflammation bei COPD

Bessere Lungenfunktion und mehr Lebensqualität durch IL-4/-13-Hemmung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Berlin, und Regeneron GmbH, München
Abb. 1: AIO-KRK-0424/ass-Registerstudie: Leitlinienadhärenz

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

BRAFV600E-mutiertes mCRC nach systemischer Vortherapie

Registerstudie weist auf Defizite in der Umsetzung der Leitlinienempfehlungen hin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pierre Fabre Pharma GmbH, Freiburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Hautkrebs

Wie sich das Bräunen im Solarium auf das Melanom-Risiko auswirkt

Lesetipps
Grafik eines übergewichtigen Menschen und einem EKG

© Dr_Microbe/stock.adobe.com

Kardiometabolische Erkrankungen

Adipositas und Vorhofflimmern: Besteht ein direkter Zusammenhang?

Apixaban, ein orales Antikoagulans zur Behandlung und Vorbeugung von Blutgerinnseln sowie zur Vorbeugung von Schlaganfällen bei Vorhofflimmern.

© Soni's / stock.adobe.com

Vergleich bei dreimonatiger Therapie-Zeit

Apixaban vs. Rivaroxaban: Welches DOAK hat das geringere Blutungsrisiko?