Großbritannien

Druck auf UK-Hausärzte steigt wegen Corona-Impfungen

NHS-Hausärzte berichten über hohe Arbeitsbelastung nach dem Impfstart vor drei Wochen. Inzwischen wird mehr und mehr deutlich, dass es in vielen Praxen an Personal fehlt.

Von Arndt StrieglerArndt Striegler Veröffentlicht:
Corona-Impfung im Pentlands Medical Centre in Edinburgh. Viele NHS-Praxen im Vereinigten Königreich sind überfordert.

Corona-Impfung im Pentlands Medical Centre in Edinburgh. Viele NHS-Praxen im Vereinigten Königreich sind überfordert.

© Russell Cheyne/PA Wire/dpa

London. In Großbritannien wächst der Druck auf die staatlichen Hausarztpraxen als Folge von immer mehr COVID-19-Impfungen. Am Donnerstag gab das Londoner Gesundheitsministerium bekannt, dass das neue Vakzin von AstraZeneca „sehr bald“ in „hunderte Hausarztpraxen und Impfzentren ausgeliefert werde. In den Praxen ist man besorgt.

Hausärzte des staatlichen britischen Gesundheitsdienstes (National Health Service, NHS) haben eine zentrale Rolle im britischen Impfprogramm. Das Programm – die größte Massenimpfung in der Geschichte Großbritanniens – läuft seit rund drei Wochen und es wurden bislang mehr als eine Million Patienten geimpft.

Kehrseite der Medaille: Viele Primärarztpraxen im Königreich sind überfordert. „Wir öffnen morgens um 7 Uhr und dann steht schon eine lange Schlange von Patienten vor der Tür“, so die Londoner Hausärztin Dr. Anil Mehta. „Die Praxis bleibt bis 22 Uhr abends extra lange geöffnet. Pausen für das Personal sind der reine Luxus.“

Nicht eilige Konsultationen werden verschoben

Andere NHS-Hausärzte berichten über eine ähnlich hohe Arbeitsbelastung. Inzwischen wird mehr und mehr deutlich, dass es in vielen Praxen an ausreichend Personal fehlt. Folge: Zahlreiche andere Konsultationen, die als nicht sonderlich eilig eingestuft werden und die nichts mit COVID-19 zu tun haben, werden verschoben. Das sorgt für Spannungen mit den Patienten.

Zwar kündigte das Gesundheitsministerium inzwischen an, landesweit sieben weitere Massenimpfzentren in London, Manchester, Bristol, Newcastle, Birmingham, Stevenage und Surrey zu eröffnen, um so den Druck auf die Hausärzte zu lindern. Allerdings warnen hausärztliche Berufsverbände inzwischen offen davor, die Primärmedizin stehe „kurz vor dem Kollaps“. Bis Mitte Februar sollen 13 Millionen Patienten geimpft werden.

Großbritanniens Gesundheitsversorgung funktioniert nach dem Primärarzt-Prinzip. Erste Anlaufstelle für den Kranken ist in der Regel die örtliche Hausarztpraxis. Das erhöht in der gegenwärtigen Situation den Druck auf die rund 6800 NHS-Hausarztpraxen in England. Laut Nuffield Trust fehlen im NHS derzeit außerdem rund 3400 Vollzeit-Hausärzte.

Prekäre Situation auch an Kliniken

Die Situation in den staatlichen Kliniken Großbritanniens ist ähnlich prekär. Angesichts weiter steigender Infektionszahlen befürchten Klinikärzte für die kommenden Woche schlimmes. Einige Kliniken wurden inzwischen zu „COVID-only Hospitals“ erklärt. Einige Intensivmediziner sagten gegenüber Journalisten, die Intensivmedizin werde, sollten die Erkrankungszahlen nicht bald abflachen, „noch maximal eine Woche durchhalten“.

NHS-Manager Chris Hopson sagte „BBC Radio 4“: „Die Lage eskaliert schnell.“ In der vergangenen Woche seien 5000 neue Patienten in die Kliniken gebracht worden. „Das sind zehn Krankenhäuser voller COVID-Patienten in nur sieben Tagen. Das ist eine riesige Herausforderung“, so Hopson.

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