Kommentar

Dürrenmatts düstere Prognose

Von Thomas HommelThomas Hommel Veröffentlicht:

In dem Drama "Die Physiker" des Schweizer Dramatikers Friedrich Dürrenmatt geht es um Möglichkeiten und Grenzen der Wissenschaft. Anhand seines Protagonisten Möbius, der im Irrenhaus vergeblich eine revolutionäre, aber auch gefährliche "Weltformel" für sich zu behalten versucht, zeigt Dürrenmatt, dass einmal Gedachtes und Entdecktes nicht wieder rückgängig gemacht werden kann.

Beim Gendiagnostikgesetz fühlt man sich stark an die Moral dieser Geschichte erinnert: Politiker der großen Koalition versuchen, den Gefahren und Risiken der Formel Gendiagnostik durch Regeln und Hürden beizukommen. Das aber dürfte schwierig werden.

Wenn es Medizinern und Forschern möglich ist, in den Genen schlummernde Krankheiten vorauszusagen, dann sind auch die damit einhergehenden, gefährlichen Entwicklungen nur schwer abzuwenden. Stichwort Datenschutz: Das Interesse an genetischen Gesundheitsdaten ist groß, die Schwelle zum Missbrauch schnell überschritten. Ein Gesetz kann die Begehrlichkeiten drosseln, aber nicht beseitigen.

Noch gefährlicher ist die Versuchung, das vermeintlich "Kranke" aus der Gesellschaft auszuschließen. Hier ist nur zu hoffen, dass sich Dürrenmatts düstere Prognose nicht bewahrheitet.

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