Brexit

EU-Gesundheitskräfte: Wer für NHS arbeiten will, muss Gebühr zahlen

Nach dem Brexit sollen europäische Pflegekräfte hohe Gebühren bezahlen, wenn sie in England für den nationalen Gesundheitsdienst arbeiten. Das könnte also ab Januar 2021 gelten.

Von Arndt Striegler Veröffentlicht: 17.04.2020, 11:41 Uhr
EU-Gesundheitskräfte: Wer für NHS arbeiten will, muss Gebühr zahlen

Mitarbeiter des National Health Service (NHS) in Westminster und im Chelsea Hospital nehmen am Clap For Carers am 16. April 2020 in London teil. Manche von ihnen sollen nach dem Brexit Gebühren bezahlen, wenn sie im NHS weiter arbeiten wollen.

© Ray Tang / Anadolu Agency / picture alliance

London. Der Brexit wird deutsche und andere europäische Krankenschwestern und -pfleger, die im britischen Gesundheitswesen arbeiten, doppelt hart treffen. Wie jetzt bekannt wurde, hält die Londoner Regierung an Plänen fest, medizinisches Fachpersonal aus der EU in Zukunft Gebühren zu berechnen, wenn sie weiter im Königreich arbeiten wollen. Der Brexit ist für den 31. Dezember 2020 geplant.

Premierminister Boris Johnson, der erst vor wenigen Tagen nach einer überstandenen Corona-Infektion aus der Intensivmedizin eines Londoner Klinik entlassen worden war, will offenbar unbeirrt an diesem Datum festhalten.

Wie jetzt bekannt wurde, sollen nach dem Brexit qualifizierte Krankenpflegekräfte aus EU-Ländern, die im staatlichen britischen Gesundheitsdienst (National Health Service, NHS) arbeiten wollen, eine jährliche Gebühr von umgerechnet rund 700 Euro bezahlen müssen. Bislang fällt diese Gebühr nicht an.

Zusätzliche Gebühr für Angehörige

Schlimmer noch: auch Ehepartner und andere Familienangehörige einer Pflegekraft sollen zukünftig diese jährliche Gebühr bezahlen müssen. Praktisch bedeutet das, dass eine deutsche Krankenschwester oder ein deutscher Krankenpfleger, der mit Partner und zwei Kindern nach Großbritannien kommt, jährlich umgerechnet mehr als 3000 Euro an Gebühren für das „Privileg“ bezahlen muss, in einer britischen Klinik oder Praxis arbeiten zu dürfen.

Britische Berufs- und Patientenverbände sind in Aufruhr. „Diese Arbeitsgebühr ist höchst unmoralisch und politisch falsch und eine Katastrophe“, so die Vorsitzende der größten britischen Pfleger- Gewerkschaft (Royal College of Nursing, RCN), Donna Kinnair, in London. Und: „Das wird die schlimmen Pflegenotstände nur noch weiter verschlimmern!“

Johnson lobt Pflegekräfte

Ironisch: kurz nach seiner Klinik-Entlassung lobte Premier Boris Johnson besonders die NHS-Pflegekräfte, „die mir ohne Zweifel das Leben gerettet haben“. Johnson nannte dabei zwei Pfleger auch namentlich: ein Pfleger kommt aus Portugal, eine Kollegin aus Neuseeland.

Laut RCN fehlen im NHS schon heute rund 40.000 qualifizierte Krankenpflegekräfte. Seit dem Brexitvotum haben außerdem „mehr als 5000“ Pflegekräfte den NHS verlassen, ohne dass für sie Ersatz gefunden werden konnte.
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