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Kommentar – Kommentar zur "Schummelei" bei Kassen

Ein Skandal, der keiner ist

Florian StaeckVon Florian Staeck Veröffentlicht:

Skandal! Das ist eine häufige Reaktion auf die Selbstbezichtigung von Jens Baas, dem Chef der Techniker Kasse.

Dabei hat der Vorstand von Deutschlands größter Krankenkasse nur zu Protokoll gegeben, was seit Jahren geübte Praxis ist: Die Zuweisungen, die die Kassen aus dem Gesundheitsfonds erhalten, sind zumindest in Teilen bestimmt durch die Morbidität der Versicherten.

Folglich wird der Preiswettbewerb der Kassen durch einen Kodierungswettbewerb flankiert. Wer Ärzte bewegen kann, möglichst "genau" die Krankheit der Versicherten zu beschreiben, kann tendenziell das finanzielle Wohl und Wehe einer Kasse beeinflussen.

Das, was der TK-Chef als "Schummeln" klassifiziert, würde sich egalisieren, wenn die Aufsicht über alle Kassen hinweg einheitlich wäre. Genau hier liegt der Missstand. Bundesunmittelbare Kassen müssen ihr Geschäftsgebaren nicht selten im Clinch mit dem Bundesversicherungsamt austragen.

Mangelnde Pedanterie ist der Bonner Behörde von Seiten der Kassen noch nicht attestiert worden. Anders die Ortskrankenkassen: Sie unterliegen der Aufsicht der Landesgesundheitsministerien, die immer auch Standortinteressen hegen und pflegen.

Wer hier auf Änderungen hofft, unterschätzt die Reformresistenz im deutschen Gesundheitswesen.

Lesen Sie dazu auch: Kodier-Schummelei: Lebhaftes Echo auf "Beichte" des TK-Chefs

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