KV Thüringen

Einzelpraxis bleibt beliebt

Rund ein Viertel mehr Vertragsärzte als noch vor elf Jahren zählt die KV Thüringen aktuell. Dabei arbeiten zwar immer mehr Ärzte in Teilzeit, das aber durchaus auch in eigener Praxis. Immerhin 80 Prozent der ambulanten Versorger sind Einzelkämpfer.

Von Rebekka Höhl Veröffentlicht: 25.09.2019, 18:50 Uhr
Einzelpraxis bleibt beliebt

1255 angestellte Ärzte arbeiten derzeit in der ambulanten Versorgung in Thüringen, der Großteil von ihnen in MVZ.

© Versorgungsbericht der KV/ÄZ

WEIMAR. Positive Entwicklung: 4434 Vertragsärzte und -psychotherapeuten arbeiten aktuell (Stand 31. Juli) in Thüringen in der ambulanten Versorgung, darunter 1701 Hausärzte. Damit ist die Zahl der Vertragsärzte in den vergangenen fünf Jahren erneut gestiegen, berichtet die KV in ihrem Versorgungsbericht 2019 – und zwar um 17 Prozent. Im Vergleich zu 2008 betrage das Plus sogar 24 Prozent.

Davon profitiert insbesondere die hausärztliche Versorgung: Die Zahl der freien Hausarztsitze hat sich im Vergleich zu 2014 von 80 auf 39 etwa halbiert.

Dabei räumt die KV mit dem Vorurteil auf, dass die Einzelpraxis ausstirbt. In Thüringen bleibt sie mit rund 82 Prozent die ambulante Praxisform Nummer 1. Der rasante Fortschritt in der Medizin gebiete zwar Kooperationen und die KV erkennt hier auch einen eindeutigen Trend der Ärzteschaft zu mehr Zusammenarbeit, aber: „Ärztliche Einzelkämpfer, die kooperieren, haben hier dieselbe Existenzberechtigung wie Ärzte-eigene Gruppenpraxen und ärztliche oder Klinik-MVZ“, schreibt die KV in ihrem Bericht.

Mehr Ärzte, weniger Stunden?

So gibt es derzeit neben den 2373 Einzelpraxen 400 Berufsausübungsgemeinschaften und 126 MVZ in Thüringen. 85 dieser MVZ befinden sich in Klinik-Hand, 21 in ärztlicher Hand und 24 in sonstiger Trägerschaft.

Ein anderer Trend, der sich auch in Thüringen zeigt, ist der Wunsch vieler Ärzte nach besserer Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Der Anteil der Ärzte, die Vollzeit arbeiten, ist in den vergangenen Jahren bei angestellten und niedergelassenen Ärzten gleichermaßen gesunken. Arbeiteten 2008 noch alle in eigener Praxis niedergelassenen Vertragsärzte in Thüringen in Vollzeit, nahm ihr Anteil 2013 bereits leicht auf 97 Prozent ab, aktuell liegt er bei 92 Prozent. Noch deutlicher sichtbar wird die Entwicklung bei den angestellten Ärzten: 2008 arbeiteten noch 72 Prozent in Vollzeit, 2013 waren es 65 Prozent, aktuell sind es nur noch 55 Prozent. „Für die ärztliche Versorgung bedeutet das, dass wir für denselben Leistungsumfang mehr Ärzte brauchen“, so die KV.

Kein weibliches Phänomen

Dabei ist der zunehmende Wunsch nach Teilzeitarbeit kein weibliches Phänomen, wie die KV Thüringen klarstellt. Die jüngere Generation würde bei der Frage, Arbeit und Beruf unter einen Hut zu bekommen, nicht mehr zwischen Frauen und Männern unterscheiden. Dennoch wird die Medizin weiblicher: Der Anteil der Ärztinnen in der ambulanten Versorgung beträgt in Thüringen derzeit 55 Prozent, bei den Hausärzten seien es sogar 62,5 Prozent.

Und auch die Zahl der angestellten Ärzte ist erneut gestiegen: Gab es 2008 thüringenweit erst 247 angestellte Ärzte, sind es mittlerweile 1255. Die meisten von ihnen arbeiten zwar nach wie vor in Medizinischen Versorgungszentren (aktuell 911 angestellte Ärzte), rund ein Fünftel (238) sind allerdings in einer Einzelpraxis tätig, 92 arbeiten in einer Berufsausübungsgemeinschaft, 19 in Polikliniken oder sonstigen Einrichtungen.

Thüringens Ärzte engagieren sich außerdem in der Versorgung auf dem Land: Mehr als 600 Zweigpraxen gibt es derzeit in Thüringen – darunter 175 hausärztliche, 426 fachärztliche und acht psychotherapeutische Nebenbetriebsstätten. Und auch die Delegation wird bereits recht rege genutzt. In Thüringen sind aktuell 462 nicht-ärztliche Praxisassistentinnen (NäPA) für 379 Ärzte im Einsatz. Vor fünf Jahren waren es erst 87 NäPA für 83 Praxen.

Fünf Kilometer zum nächsten Arzt

Im Schnitt ist in Thüringen auch auf dem Land der nächste Arzt nur drei bis fünf Kilometer entfernt, berichtet die KV. Die weiteste Entfernung – und dies auch nur in Ausnahmefällen – seien zehn Kilometer gewesen.

Etwas Sorge bereitet der KV die demografische Entwicklung in dem Bundesland: Laut der Demografieberichte des Thüringer Landesamtes für Statistik seien 1991 rund 13 Prozent der Thüringer 65 Jahre und älter gewesen, 2017 waren es bereits 24 Prozent. Dadurch würden zusätzliche Arztkapazitäten benötigt. Aber auch die jüngere Generation, so die KV, verlange heute schneller nach einem Arzt. Die Fähigkeit, sich gesund zu halten, nehme ab, kritisiert die Körperschaft.

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