Vision 2030

Engpässe in der Altenpflege

Ein rasant wachsende Lücken in der ärztlichen Versorgung bedroht Brandenburg. Eine neue Studie prognostiziert für 2030 einen drastischen Mangel bei Pflegekräften.

Von Angela MisslbeckAngela Misslbeck Veröffentlicht:

BERLIN. Das Land Brandenburg wird 2030 nur noch ein Viertel der nötigen Hausärzte vorhalten. Deutschlandweit fehlen dann rund 106.000 Ärzte und 575.000 Pflegekräfte.

Das prognostiziert eine aktuelle, noch nicht veröffentlichte Studie der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PWC).

Es mangelt damit an rund einem Drittel der Ärzte und knapp der Hälfte der Pflegekräfte, die zur Versorgung der Bevölkerung in Deutschland 2030 nötig wären. Diese Zahlen präsentierte Lars Müller von PWC beim Personalkongress der Krankenhäuser.

Allein in Berlin und Brandenburg werden der Gesundheitswirtschaft nach den PWC-Berechnungen dann rund 44.000 Arbeitskräfte fehlen. Schon jetzt mangelt es in Brandenburg an 5500 und in Berlin an rund 7700 Arbeitskräften.

"In beiden Ländern entwickelt sich der Fachkräftemangel in der Altenpflege deutlich dramatischer als in der Krankenpflege", so Müller. Die Studie führt das auf mangelnde Vergütung und Anerkennung des Berufes bei hoher Belastung zurück.

In Brandenburg wächst der Fachkräftemangel aber schneller als in Berlin. Im Flächenland vervierfacht er sich bis 2030 auf 24.000 fehlende Arbeitskräfte, in der Hauptstadt steigt er auf das Dreifache. Rund 20.000 Menschen fehlen der Berliner Gesundheitswirtschaft dann.

Deutliche Unterschiede zwischen den beiden Bundesländern zeigen sich bei der ärztlichen Versorgung. Die Hauptstadt hat der Studie zufolge derzeit noch 1600 Ärzte mehr als nötig wären. Bis 2030 geht dieser Überschuss jedoch verloren.

In Brandenburg fehlen laut PWC-Studie dagegen heute schon 1200 Ärzte. Der Mangel im Flächenland wächst bis 2020 auf 2200 Ärzte und bis 2030 auf 4000 Ärzte an. 77 Prozent der Allgemeinmediziner werden in Brandenburg dann fehlen.

"Dreiviertel der Hausärzte, die sie dort bräuchten, haben sie einfach nicht, wenn alles so weiterläuft", sagte Müller. Am schlimmsten sieht das Szenario für die HNO-Ärzte aus.

96 Prozent Mangel prognostiziert die Studie für diese Fachgruppe im Jahr 2030 in Brandenburg. Auch 80 Prozent der Chirurgen werden demzufolge fehlen.

Berlin könnte dagegen für viele Fachrichtungen auch 2030 noch eine ausreichende ärztliche Versorgung aufweisen. Im hausärztlichen Bereich zeichnet sich jedoch auch dort ein Mangel ab. PWC prognostiziert, dass ein Viertel der Allgemeinmediziner in der Hauptstadt fehlen wird.

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