Parasiten

Erfolge im Kampf gegen Tropenkrankheiten

Eine Koalition aus Pharmafirmen, Regierungen und internationalen Organisationen bekämpft vernachlässigte Tropenkrankheiten. Die Arbeit der Allianz lohnt sich, wie ihre Bilanz zeigt. Die Herausforderungen werden aber komplexer.

Matthias WallenfelsVon Matthias Wallenfels Veröffentlicht:

NEU-ISENBURG. Die afrikanische Trypanosomiasis (Schlafkrankheit), die Chagas-Krankheit (südamerikanische Trypanosomiasis), die viszerale Leishmaniose, Lepra, die Schistosomiasis, die chronische Infektion mit bodenübertragenen Helminthen, das Trachom, die Onchozerkose, die lymphatische Filariose und Onchozerkose (Guineawurmbefall) sowie die Elefantiasis sind die zehn vernachlässigten Tropenkrankheiten (Neglected Tropical Diseseases /NTD), deren Bekämpfung sich die Uniting to Combat Neglected Tropical Diseases Coalition im Jahr 2012 in ihrer London Declaration verschrieben hat.

Dem Bündnis gehören unter anderem internationale Gesundheitsorganisationen, Pharma-Unternehmen, Hilfsorganisationen, Regierungen mehrerer Länder sowie die Weltbank an.

Wie aus dem kürzlich veröffentlichten "4th Progress Report on the London Declaration on Neglected Tropical Diseases" hervorgeht, haben forschende Pharma-Unternehmen 2015 zum Kampf gegen NTD Medikamente für 1,5 Milliarden Behandlungen gespendet - nach Angaben des Verbandes der forschenden Pharma-Unternehmen in Deutschland (vfa) ein neuer Rekord (wir berichteten kurz).

"Vernachlässigte Tropenkrankheiten zu bekämpfen, ist nicht nur medizinisch geboten", wie vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer in diesem Kontext kommentierte. "Es hilft auch indirekt, in den betroffenen Gebieten die Ernährungssituation zu verbessern und Bildungsziele zu erreichen."

Darum sei es gut, dass sich die G7-Staaten 2015 unter deutscher Präsidentschaft nicht nur zur Förderung der Pharmaforschung gegen NTD entschlossen haben, "sondern auch zur Unterstützung der Bekämpfungsprogramme, die vorhandene Medikamente nutzen", so Fischer.

Diese Unterstützung hätten sie nötig, da trotz aller Fortschritte und genügend gespendeten Medikamenten noch immer viele Patienten nicht erreicht würden, etwa weil es an Logistik und Personal vor Ort fehle.

Im Auftrag der Nachhaltigkeit

Wie in dem vorgelegten Bericht betont wird, erfreut sich der Kampf gegen die NTD inzwischen international einer stärkeren Aufmerksamkeit. Denn: Im Zuge des UN-Nachhaltigkeitsgipfels verabschiedeten die Vereinten Nationen im vergangenen Herbst in New York die "2030 Agenda für nachhaltige Entwicklung" mit insgesamt 17 Nachhaltigkeitszielen (Sustainable Development Goals/SDG), die im Zeitraum von 2016 bis 2030 unter anderem die Gesundheitsversorgung optimieren sollen.

Unter Ziel Nummer drei - mit dem Namen "Health" - sind verschiedene Bestrebungen subsumiert - so soll dafür Sorge getragen werden, dass niemand zurückbleibt und auch epidemische Krankheiten wie Aids, Tuberkulose, Malaria oder Ebola ausgerottet werden.

Wie in dem Bericht weiter gewarnt wird, blieben mehr als eine Milliarde der am meisten verwundbaren und benachteiligten Menschen auf der Strecke, würde der Kampf gegen die NTD in den nächsten 15 Jahren nicht weiter geführt.

Als Fortschritt im Kampf gegen die NTD nennt der Report die Verfügbarkeit von Prävalenzdaten. Da die vernachlässigten Tropenkrankheiten meist in abgelegenen und schwer zugänglichen Gebieten aufträten, helfe die Kenntnis über die tatsächliche Risikogefährdung.

Exemplarisch wird auf das von der Organisation Sightsavers betreute Global Trachoma Mapping Project (GTMP) verwiesen.

In einem Dreijahreszeitraum seien 2,6 Millionen Menschen in 29 Ländern untersucht und die Daten via Smartphone übertragen worden. Dabei handele es sich um die weltweit größte Untersuchung zu Infektionskrankheiten, deren Ergebnisse repräsentativ für 229 Millionen Menschen seien.

Der Bericht hebt die Spendenbereitschaft der Pharmaindustrie explizit hervor. Mit insgesamt 2,4 Milliarden gespendeten Tabletten - ein Anstieg gegenüber 2014 um 11,7 Prozent - stelle dies eines der größten Public Health Programme weltweit dar.

Fortschritte bei Neuerkrankungen

Fortschritte seien bei den Neuerkrankungen zu verzeichnen. So seien 2015 nur 3000 neue Fälle der afrikanischen Trypanosomiasis registriert worden - ein 70-Jahres-Tief. In Bangladesch, Indien und Nepal seien die Fälle von viszeraler Leishmaniose um 75 Prozent auf 10.209 zurückgegangen.

Mit nur 22 Neufällen des Guineawurmbefalls sei die Eradikation dieser Parasitenkrankheit zum Greifen nahe.

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