Schweizer testen

Erst in die Apotheke, dann zum Arzt

Mit einem neuen Tarif will der Krankenversicherer Swica Apotheken stärker in die Versorgung einbinden.

Veröffentlicht: 01.09.2015, 12:16 Uhr

KÖLN.Mit einem neuen Tarif, bei dem Patienten zunächst die Apotheke aufsuchen sollen, will der Schweizer Krankenversicherer Swica die Behandlungskosten der Versicherten senken. Gleichzeitig soll das Angebot Hausärzte entlasten und Apotheker stärker in die Erstversorgung einbinden. Das Modell "Medpharm" wird am 1. Januar 2016 zunächst in der deutschsprachigen Schweiz eingeführt.

Versicherte in dem Tarif verpflichten sich, außer in Notfällen bei Erkrankungen zunächst in die Apotheke zu gehen oder die Gesundheitshotline "sante24" anzurufen. Erst wenn sich das gesundheitliche Problem auf diesem Weg nicht lösen lässt, können die Patienten einen der Ärzte aufsuchen, die auf einer speziellen "Medpharm-Liste" aufgeführt sind. "Diese Liste ist sehr umfangreich, sie erfasst die große Mehrheit der Schweizer Ärzte", sagt Swica-Sprecherin Silvia Schnidrig der "Ärzte Zeitung".

Kooperation mit 118 Apotheken

Die Krankenkasse kooperiert bei dem Angebot mit den 118 Apotheken des TopPharm-Verbunds. Sie halten ein separates Besprechungszimmer vor. Die ausgebildeten Apotheker hätten für die Beratung das notwendige medizinische Wissen, betont Schnidrig.

Dennoch weiß sie, dass manche Ärzte den Tarif kritisch sehen werden. Die Zeitung "Schweiz am Sonntag" zitiert den Präsidenten des Ärzteverbands FMH, Dr. Jürg Schlup, der eine weitere Fragmentierung der Gesundheitsversorgung befürchtet. Außerdem bezweifelt er die kostensenkende Wirkung, da Apotheker nur wenige Fälle wirklich abschließend behandeln könnten - und die Patienten dann letztendlich doch noch zum Arzt gehen müssten.

Versicherte, die sich für den "Medpharm"-Tarif entscheiden, können damit ihre Krankenversicherungs-Prämie deutlich senken. In der Schweiz gibt es eine einheitliche Grundversicherung mit einem Selbstbehalt von 300 Franken (rund 280 Euro). Ist diese Grenze erreicht, müssen Patienten zehn Prozent jeder Rechnung bezahlen, bis maximal 700 Franken.

Durch die Vereinbarung eines höheren Selbstbehaltes oder die Wahl von Tarifen mit Einschränkungen bei der Leistungsinanspruchnahme können die Versicherten die Prämien für die Krankenversicherung senken. Die Verträge haben jeweils eine Laufzeit von einem Jahr, die Kunden können zum Jahresende wechseln.

Der Apotheken-Tarif ist nach Angaben von Schnidrig eine Premiere für die Schweiz. Bei der Beschränkung auf deutschsprachige Regionen soll es nicht bleiben. Geplant ist die Ausweitung auf die Westschweiz und das Tessin. (iss)

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