Gesundheitspolitik international

FDP-Minister wollen Gesundheit exportieren

Gesundheitsminister Daniel Bahr und Wirtschaftsminister Philipp Rösler haben hohe Ziele: Gemeinsam wollen sie den Export in der Gesundheitswirtschaft stärken. Die Initiative "Health made in Germany" soll dabei helfen.

Von Anno FrickeAnno Fricke Veröffentlicht:
Wirtschaftsminister Philipp Rösler und Gesundheitsminister Daniel Bahr am Montag vor dem Logo von "Health made in Germany".

Wirtschaftsminister Philipp Rösler und Gesundheitsminister Daniel Bahr am Montag vor dem Logo von "Health made in Germany".

© BMWi

BERLIN. Der Export deutscher Medizintechnik brummt. Die Auslandsumsätze der Medizintechnikindustrie steigen zweistellig. 2010 erzielten zum Beispiel die 1140 Unternehmen des Fachverbandes Spectaris bereits 66 Prozent ihrer Umsätze mit dem Export von Gütern und Dienstleistungen ins Ausland.

Wirtschaftsminister Philipp Rösler und Gesundheitsminister Daniel Bahr sehen aber noch Luft nach oben. Rund zehn Prozent habe die Gesundheitswirtschaft 2008 zum Bruttoinlandsprodukt beigetragen.

Die sechs Prozent, die sie im gleichen Jahr zu den Ausfuhren des Landes beigetragen habe, seien also unterdurchschnittlich, rechnete Rösler bei der Vorstellung der Exportinitiative "Health made in Germany" am Montag in Berlin vor.

Erste Arbeitsgruppen machen sich ans Werk

Den beiden Ministern schwebt mehr vor als der Verkauf einzelner Produkte. Gezielt sollen die in den Schwellenländern Asiens und Lateinamerikas entstehenden Märkte für Gesundheitsprodukte und Dienstleistungen auf ihre Bedarfe hin untersucht werden.

Die Informationen will die Exportinitiative der Wirtschaft zur Verfügung stellen, einschließlich Nachrichten zu Ausschreibungen und Veranstaltungen, Informationen zu Strukturen ausländischer Gesundheitssysteme und Erstattungsregeln.

Die schöne Exportzukunft hat schon begonnen. Mit den Fachverbänden der Industrie habe man vier Arbeitsgruppen für die Themenschwerpunkte Arzneimittel, Medizintechnik, medizinische Biotechnologie und Telemedizin eingerichtet.

Roadshow auf der arabischen Halbinsel

Die Ziele sind hoch: Eine sich zunehmend vernetzende mittelständische Gesundheitswirtschaft in Deutschland solle in der Lage sein, zum Beispiel Großkliniken samt Know-how für deren Management schlüsselfertig zu liefern, sagten Bahr und Rösler.

Bislang finde ein gemeinsamer Auftritt gegenüber dem Ausland aber kaum statt. Die Minister kündigten an, dass ein aus den Verbänden der Medizintechnologie, der Außenhandelskammern und Auslandsvertretungen gebildeter Arbeitskreis zwischen dem 17. und 22. September eine "Roadshow" nach Saudi-Arabien und Katar angesetzt habe.

Politische Veränderungen bergen stets Risiken für die exportierende Wirtschaft. Frühwarnsysteme sollen hier rechtzeitig Informationen liefern. Hintergrund sind die Verordnungen der russischen Verwaltung etwa im Arzneimittelgroßhandel und im Zulassungs- und Erstattungswesen, die die Arzneimittelindustrie nicht nur einmal überrascht haben.

Um Innovationen aus Deutschland vor geistigem Raub zu schützen, wollen die Ministerien vor allem in Indien Bewusstseinsbildung betreiben. Mittel der Wahl seien Seminare und Workshops, heißt es im Programm der Initiative.

Ganz gezielt geht die Initiative auf kleine und mittelständische Unternehmen zu. Für ihre Vertreter sollen "Markterschließungsreisen" vorwiegend ins europäische Ausland organisiert werden.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Die FDP sucht die Exportchance

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