Berufspolitik

Fast eine Milliarde Menschen hungern weltweit

BERLIN (dpa/eb). Die Welthungerhilfe hat eindringlich davor gewarnt, wegen der Finanzkrise das Schicksal der hungernden Menschen in der Welt zu vernachlässigen. 25 000 Menschen sterben täglich an den Folgen ihrer Unterernährung.

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Hunger: Kinder stehen in einem Flüchtlingslager für Essen an.

Hunger: Kinder stehen in einem Flüchtlingslager für Essen an.

© Foto: imago

"Fast eine Milliarde Hungernde sind eine Schande für die Menschheit. Im Gegensatz zu den Banken sind sie nicht selbst schuld an ihrer Misere", sagte die scheidende Vorstandsvorsitzende der Organisation, Ingeborg Schäuble, in Berlin. Die Hungerkrise sei "viel schlimmer als die Finanzkrise, denn sie bedroht millionenfach Menschenleben". Um das Millenniums-Ziel der Halbierung des Hungers bis 2015 zu erreichen, seien jährlich zusätzliche Mittel in Höhe von zehn Milliarden Euro notwendig.

"Dramatische Trendwende"

Schäuble, die im November aus dem Amt scheidet, stellte gemeinsam mit dem Washingtoner Forschungsinstitut für Ernährungspolitik (IFPRI) anlässlich des Welternährungstages am heutigen Donnerstag den Welthunger-Index (WHI) 2008 vor. Danach gibt es zwar in zahlreichen Länder eine positive Entwicklung bei der Hungerbekämpfung. Der "ärgerlich langsame Trend" des abnehmenden Hungers sei aber gebrochen, sagte IFPRI-Direktor Joachim von Braun. "Wir erleben eine dramatische Trendwende."

Er verwies auf Zahlen der Welternährungsorganisation (FAO), wonach die Zahl der Hungernden 2007 um 75 Millionen auf 923 Millionen gestiegen sei. "Wir rechnen in diesem Jahr mit einer Zunahme um nochmals mindestens 75 Millionen Menschen", sagte Braun.

Zwar seien die Folgen der Spekulation auf die gestiegenen Nahrungsmittelpreise relativ gering. Aber durch die derzeitige Finanzkrise werde es sehr schwer, langfristige Investitionen für den dringend erforderlichen Ausbau der Landwirtschaft in Entwicklungsländern zu mobilisieren. "Der Zugang zum Kapital wird erschwert. Das ist eine sehr schlechte Nachricht für die Hungernden der Welt."

Auf dem WHI-Index werden insgesamt 88 Länder geführt. Auf den untersten Rängen liegen afrikanische Länder, das Schlusslicht bildet die Republik Kongo. Der Index basiert auf der Auswertung von drei Hauptdatengruppen. Berücksichtigt werden unter anderem der Anteil der Unterernährten an der Bevölkerung, der Anteil der Kinder unter fünf Jahren mit Untergewicht sowie die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren.

Gefragt ist eine politische Entscheidung

Auch der Lateinamerika-Direktor der UN-Ernährungsorganisation FAO, José Graziano, forderte inzwischen einen entschiedeneren Kampf gegen Armut. Das Banken-Rettungspaket der USA koste 20 Mal mehr, als benötigt werde, um den Hunger weltweit auszumerzen, sagte er der in Paraguay erscheinenden Zeitung "La Nación". "Den Hunger zu beenden ist eine politische Entscheidung", sagte er. Der Welternährungstag soll an die Aufgabe aller Staaten erinnern, den Hunger zu bekämpfen. Der Tag wurde 1979 von der UN-Organisation FAO initiiert, um "Nahrung für alle" zu schaffen. Insgesamt nehmen in diesem Jahr 150 Staaten an Aktionen teil, die in allen Regionen der Erde stattfinden werden.

www.welthungerhilfe.de

So arbeitet die Welthungerhilfe

Die Welthungerhilfe ist eine gemeinnützige, politisch und konfessionell unabhängige Hilfsorganisation. Sie arbeitet unter einem ehrenamtlichen Vorstand und der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten. Die Organisation hat seit ihrer Gründung 1962 rund 5500 Projekte in mehr als 70 Ländern mit 1,9 Milliarden Euro gefördert.

Die Welthungerhilfe finanziert ihre Arbeit aus privaten Spenden und öffentlichen Zuschüssen etwa von der EU oder der Bundesregierung. Sie untersteht der Kontrolle durch das unabhängige Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI).

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Erbärmliche Zwischenbilanz

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