Berufspolitik

Frühförderstelle hilft Kindern interdisziplinär

EUTIN (di). Interdisziplinäre Frühförderstellen (IFF) sollen in Schleswig-Holstein Kindern mit Entwicklungsdefiziten helfen. Die behandelnden Ärzte können Kinder zur IFF überweisen und damit ihr Heilmittelbudget entlasten.

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Physiotherapie bei einem Kleinkind: Pädiater begrüßen das Angebot.

Physiotherapie bei einem Kleinkind: Pädiater begrüßen das Angebot.

© Foto: di

Die erste IFF im Norden hat in Eutin ihre Arbeit aufgenommen: Die Heilpädagogin Angela Metzler hat dafür ihre Praxis ausgebaut und eine Physiotherapeutin, eine Logopädin und eine Ergotherapeutin angestellt.

Diese vier Berufsgruppen sollen gemeinsam unter einem Dach an den Entwicklungsdefiziten der Kinder arbeiten. Den Weg zur IFF ebnet der behandelnde Arzt mit einer Überweisung. Dann kommt es zu einem gemeinsamen Termin des zuständigen Amtsarztes mit der Heilpädagogin und den Eltern. Wenn Diagnose und Förder- und Behandlungsplan vorliegen, entscheidet das Sozialamt über die Bewilligung der Therapie.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Schleswig-Holstein begrüßt das neue Angebot. Der Landesvorsitzende Dehtleff Banthien sieht in der interdisziplinären Kooperation einen richtigen Ansatz. Positiv bewertet er, dass die überweisenden Ärzte damit ihre Heilmittelbudgets entlasten können. Offen ist für ihn noch, ob die Kommunikation mit den behandelnden Ärzten funktionieren wird: "Es ist wichtig, dass wir weiterhin über den Therapieverlauf informiert werden", sagte Banthien.

Metzler betonte, dass sie einen engen Austausch mit den behandelnden Ärzten anstrebt. Zugleich bemüht sie sich derzeit, das neue Angebot bei Eltern und Ärzten publik zu machen. Wie viele solcher IFF-Stellen landesweit eingerichtet werden, steht noch nicht fest. Die Entscheidung über eine Zulassung zur IFF treffen die Kostenträger (Krankenkassen und Kommunen).

Theoretisch könnten auch branchenfremde Betreiber eine IFF etablieren, wenn sie die vier geforderten Berufsgruppen anstellen und die räumlichen Anforderungen aus der Landesrahmenvereinbarung erfüllen. Voraussetzung ist auch eine Einigung mit den Kostenträgern über die Honorierung. Die Kassen erwarten, dass mittelfristig Eltern nicht weiter als 30 Kilometer zur nächsten IFF fahren müssen. Die nächste IFF wird Anfang 2009 in Flensburg starten.

Gesundheitsministerin Dr. Gitta Trauernicht lässt die Arbeit der ersten IFF-Stellen wissenschaftlich begleiten und auswerten. Sie hält interdisziplinäre Frühförderung für eine wichtige Ergänzung zu den bestehenden Angeboten wie etwa der mobilen Frühförderung durch Heilpädagogen.

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