Zuzahlungen

Für Heilmittel tiefer in die Tasche greifen

Die GKV-Ausgaben für Heilmittel sind von 2016 bis 2018 um knapp 16 Prozent gestiegen. Damit müssen Versicherte auch höhere Zuzahlungen tragen, kritisiert Die Fraktion die Linke.

Von Anke Thomas Veröffentlicht: 23.05.2019, 17:34 Uhr
Für Heilmittel tiefer in die Tasche greifen

2018 betrug die Summe der Zuzahlungen bei Heilmitteln insgesamt 668 Millionen Euro.

© Andrea Warnecke / dpa Themendienst / picture-alliance

BERLIN. Gut 7,5 Milliarden Euro haben die gesetzlichen Krankenkassen 2018 für Heilmittel ausgegeben. 2016 waren es noch knapp 6,5 Milliarden Euro.

Die Zuzahlungen, die GKV-Versicherte 2018 für Heilmittel zusteuern mussten, waren entsprechend höher und betrugen insgesamt 668 Millionen Euro. 2016 lag die Summe der Zuzahlungen bei Heilmitteln noch bei 609 Millionen Euro. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Fraktion die Linke hervor.

Die Bundestagsabgeordneten der Linken fürchten, dass Patienten, die tiefer in die Tasche greifen müssen, möglicherweise eigentlich notwendige Therapien nicht in Anspruch nehmen würden.

Kosten werden weiter steigen

Die Ursache für den starken Kostenanstieg begründet die Bundesregierung mit Maßnahmen, die zu Vergütungssteigerungen der Leistungserbringer im dreistelligen Millionenbereich geführt hätten.

Mit dem im Mai in Kraft getretenen Terminservice- und Versorgungsgesetz bzw. der im Gesetz vorgesehenen bundesweiten Angleichung der Preise für Heilmittel erwartet die Bundesregierung weitere Vergütungssteigerungen für Heilmittelerbringer.

Allein dafür sei ab 1. Juli 2019 mit Mehraufwendungen für die GKV in Höhe von rund 300 Millionen Euro zu rechnen, in den Folgejahren seien es jeweils rund 600 Millionen Euro mehr.

Die Maßnahmen dienten dazu, eine angemessene Vergütung der Therapeuten sicher zu stellen und die Attraktivität der Heilmittelberufe – auch angesichts des bereits bestehenden Fachkräftemangels – weiter zu erhöhen.

Interessant in diesem Zusammenhang sind auch die Zuzahlungszahlen aus den einzelnen KV-Regionen, die mit den Gesamtausgaben korrelieren und die Heilmittelverordnungen der Ärzte repräsentieren.

Während in Schleswig-Holstein und Bremen die Zuzahlungen der Versicherten von 2016 bis 2018 gleich blieben, stieg der Bedarf offenbar vor allen Dingen in Nordrhein, Sachsen oder Westfalen-Lippe deutlich stärker (siehe nachfolgende Tabelle).

Erzieherische Maßnahmen

Die prognostizierten höheren Ausgaben für Heilmittel in den kommenden Jahren könnten in der GKV auch zu höheren Zuzahlungen führen, so die Bundesregierung, da der Patient hier zehn Prozent der Kosten pro Verordnung selbst tragen muss. Bei Medikamenten, Krankenhausaufenthalten oder Hilfsmitteln ist hingegen die Zuzahlung pro Verordnung auf jeweils 5 bis zehn Euro begrenzt.

Dass Patienten eigentlich notwendige Behandlungen aufgrund der höheren Zuzahlungen nicht in Anspruch nehmen könnten, das sieht die Bundesregierung nicht so. Zuzahlungen seien vielmehr ein Mittel, um das Bewusstsein der Versicherten für die Kosten zu schärfen und deren Eigenverantwortung zu stärken.

Die Zuzahlungsregelungen respektive die Zuzahlungsbefreiungsregelungen für Versicherte (ein oder zwei-prozentige Belastungsgrenze) erachtet die Bundesregierung als sachgerecht. Der Linken-Bundestagsabgeordnete Achim Kessler fordert hingegen, die Zuzahlungen komplett abzuschaffen.

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