Neue Studie

Für die Krebsforschung geben die Bürger ihre Daten preis

Fast 100 Prozent der Teilnehmer einer Studie bezeichnen die Krebsforschung als wichtig oder sogar sehr wichtig. Die meisten sind für deren Erfolg auch bereit, etwas beizutragen.

Christoph BarkewitzVon Christoph Barkewitz Veröffentlicht:
Persönliche Daten teilen? Wenn es um die Krebsforschung geht, sind die Deutschen einer Studie zufolge aufgeschlossen.

Persönliche Daten teilen? Wenn es um die Krebsforschung geht, sind die Deutschen einer Studie zufolge aufgeschlossen.

© momius / stock.adobe.com

DÜSSELDORF. Mehr als drei Viertel der Deutschen würden für die Krebsforschung persönliche Daten teilen, um die schnellere Entwicklung von entsprechenden Medikamenten zu unterstützen – sofern der Datenschutz gewährleistet ist. So lautet das Ergebnis der repräsentativen Umfrage "Personalisierte Krebsmedizin" der Beratungsgesellschaft PwC. Demnach geben 42 Prozent der Befragten an, "auf jeden Fall" ihre Daten an vertrauenswürdige Institutionen weiterzugeben, weitere 36 Prozent beantworteten dies mit "eher ja".Lediglich drei Prozent würden dem auf keinen Fall zustimmen.

Dass größere Datenmengen der Forschung helfen würden, steht für Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswesen bei PwC außer Frage: "Falls es dem Gesundheitswesen gelingt, große Datenbestände aufzubauen und für die Entwicklung neuer Krebsmedikamente zu nutzen, können Krebspatienten künftig deutlich zielgerichteter behandelt werden." Die Therapie- und Heilungschancen stiegen enorm, wenn die Therapie individuell an den Patienten angepasst sei.

Großes Vertrauen in Universitäten

Doch was sind in den Augen der Menschen "vertrauenswürdige Institutionen"? Ganz weit vorne liegen dabei die Universitäten mit 64 Prozent Zustimmung bei den Befragten. Niedergelassene Onkologen nannten 53 Prozent, Krankenhäuser und Kliniken kamen auf einen Wert 42 Prozent und forschende Pharmaunternehmen nannten noch 22 Prozent vertrauenswürdig. Behörden und Krankenkassen würden nur jeder Zehnte seine Angaben anvertrauen.

Dabei gibt es mit Blick auf die Auskunftsfreude deutliche Unterschiede in den Altersgruppen: bei den Jüngeren ist die Bereitschaft am geringsten. Von den 18 bis 24-Jährigen geben nur 33 Prozent an, ihre Daten teilen zu wollen, der geringste Wert unter allen befragten Gruppen. Die größte Bereitschaft zeigt der Gruppe der 45 bis 54-Jährigen mit 46 Prozent.

Die höchste Innovationskraft in der Krebsforschung trauen die Bürger ebenfalls den Universitäten zu: Den größten Forschungserfolg in der Krebstherapie vermuten sie mit 80 Prozent Zustimmung bei den Hochschulen.

Während ein knappes Drittel der Befragten keinerlei Gegenleistung für seine Datenfreigabe erwartet, setzt jeder Fünfte auf einen finanziellen Vorteil: Elf Prozent der Befragten hoffen auf geringere Krankenkassenbeiträge, sieben Prozent erwarten eine "angemessene Bezahlung". 28 Prozent sind sogar der Meinung, dass Patienten verpflichtet werden sollten, ihre Daten anonymisiert weiterzugeben.

Wie ein monetärer Anreiz aussehen könnte, bleibt jedoch offen: Eine "Schwierigkeit" sei die Umsetzung und die Festlegung einer adäquaten finanziellen Honorierung, stellen die Autoren der Studie fest. Was auch Praktiker bestätigen: Vergütungen seitens der Krankenkassen bezeichnet Meinhard Johannides, Sprecher des Verbands der Ersatzkassen in Hessen, als sehr schwierig. Die zuständige Aufsicht müsste in jedem Fall eine Satzungsänderung genehmigen, wofür Johannides hohe Hürden sieht. Ihm ist auch aktuell kein Beispiel bekannt.

Furcht vor Tumor-Erkrankung

Obwohl Herz-/Kreislauferkrankungen Todesursache Nummer 1 in Deutschland sind, fürchten die Menschen dennoch am meisten, an Krebs zu erkranken. Zwei Drittel der Bürger sehen laut der Studie eine Tumorerkrankung als größte Bedrohung ihrer Gesundheit. Lediglich ein knappes Drittel hat Angst einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Für 43 Prozent ist die größte Sorge, an einem neurologischen leiden wie Alzheimer oder Depressionen zu erkranken.

Die große Furcht vor Krebs lässt die Deutschen auch hohe Ausgaben für die Behandlung befürworten. Eine vergleichsweise teure Krebstherapie halten 59 Prozent der Befragten für gerechtfertigt – insbesondere dann, wenn ein Nutzen für die Krebspatienten auch nachweisbar ist.

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