Hecken

GBA wehrt erst mal ab bei der EU-Nutzenbewertung

Dem GBA stößt die Ankündigung einer EU-weit einheitlichen Nutzenbewertung sauer auf. Warum, ist nicht ganz klar.

Veröffentlicht:

BERLIN. länen der Europäischen Kommission, die Nutzenbewertung für Arzneimittel und Medizinprodukte  europaweit zu vereinheitlichen und zentral zu organisieren, erteilt der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses, Professor Josef Hecken, eine Absage. Das Vorhaben berge die Gefahr, "dass die Versorgungssteuerung von Arzneimitteln mittelbar auf EU-Ebene verlagert wird und die hohe Qualität der Versorgung leidet", ließ Hecken in einer ersten Stellungnahme verlauten.

Warum sich hierzulande die Arzneimittelversorgung verschlechtern sollte, nur weil Bewertungskompetenz teilweise an Brüssel abgegeben wird, geht aus dem Statement jedoch nicht zweifelsfrei hervor. Für Rückfragen war am Donnerstag beim GBA niemand zu erreichen.

Heckens Argumentation: Durch die in Deutschland unter GBA-Ägide praktizierte Bewertung des Zusatznutzens neuer Arzneimittel könnten "spezielle Versorgungsbedarfe und Patientengruppen berücksichtigt werden". Eine europäisch zentralisierte Nutzenbewertung dagegen "würde den sehr heterogenen nationalen Gesundheitssystemen nicht gerecht".

Die darin offensichtlich zum Ausdruck kommende Sorge, die hiesige Zusatznutzen-Bewertung könnte durch eine in ihren Konsequenzen für die sich anschließende Preisbildung schwächere Nutzenbewertung verdrängt werden, ist jedoch nicht zwingend. Ausdrücklich teilte die EU-Kommission anlässlich der Vorstellung ihres Verordnungsentwurfs am Mittwoch mit, die Mitgliedstaaten könnten nichtklinische Nutzen-Aspekte neuer Therapeutika – beispielsweise wirtschaftliche, soziale oder ethische Aspekte – auch in Zukunft ebenso in eigener Hoheit erheben wie den Zusatznutzen.

Wörtlich heißt es in einem Frage-Antwort-Papier der Kommission: "Sie (die Mitgliedstaaten - Anm. d. Red.) werden auch weiterhin den Mehrwert einer Gesundheitstechnologie insgesamt abschätzen und die für ihr jeweiliges Gesundheitssystem relevanten Entscheidungen (z.B. betreffend Preisgestaltung und Erstattung) treffen". (cw)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Frühe Nutzenbewertung

Durchwachsene Evidenz für neue Wirkstoffe und Indikationen

Kommentare
Sonderberichte zum Thema

Ist das AMNOG bereit für HIV-Innovationen?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
Arzneiforschung: Von Innovationen profitieren nicht nur Patienten, sondern immer auch die Gesellschaft als Ganzes.

© HockleyMedia24 / peopleimages.com / stock.adobe.com

Nutzenbewertung

Arznei-Innovationen: Investition mit doppeltem Nutzen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa)
AMNOG-Verfahren: Plädoyer für ein Update

© Springer Medizin Verlag GmbH

AMNOG-Verfahren: Plädoyer für ein Update

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Stiftung Lebensblicke

Darmkrebs bei jungen Menschen: Entwarnung für Deutschland

Wechselwirkungen

Diese Medikamente sind bei Herzinsuffizienz riskant

Interview mit Physiotherapeutin

Bewegung bei Nackenschmerzen: Welcher Sport ist der richtige?

Lesetipps
Eine kalorienarme, pflanzenbasierte Kost für mehrere Tage am Stück pro Monat kann Patienten und Patientinnen mit Morbus Crohn bei der Remission helfen.

© rh2010 / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Morbus Crohn: In nur fünf Tagen per Diät zur Remission?

Diabetespatientin spritzt sich Insulin mit Insulinpen

© Goffkein / stock.adobe.com

Wenig bekannte Insulinkomplikation

Vorsicht bei Insulininjektionen: Nicht immer dieselbe Stelle nehmen