Notfallpatienten

Gemeinsame Arztrufzentrale hat sich bewährt

Bis zu 40 Mitarbeiter versuchen am Wochenende, in der gemeinsamen Arztrufzentrale der KVen Nordrhein und Westfalen-Lippe Notfallpatienten in die richtigen Bahnen zu lenken.

Ilse SchlingensiepenVon Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Stellte am Tag des Bereitschaftsdienstes die Duisburger Arztrufzentrale vor: Der Vorsitzende der KV Nordrhein Dr. Frank Bergmann.

Stellte am Tag des Bereitschaftsdienstes die Duisburger Arztrufzentrale vor: Der Vorsitzende der KV Nordrhein Dr. Frank Bergmann.

© iss

DUISBURG. Welcher HNO-Arzt hat in Wesel Dienst? Und wie sieht es aus mit einem Gynäkologen in Bielefeld? Viele solcher Anrufe laufen an diesem Mittwochnachmittag über die zentrale Rufnummer 116 117 in der Arztrufzentrale Nordrhein-Westfalen in Duisburg ein. Diesen Patienten oder ihren Angehörigen kann in der Regel schnell geholfen werden. Sie erfahren, welcher Arzt zuständig ist.

Manche Fälle sind komplizierter. "Sie rufen besser die 112 an", empfiehlt eine der Mitarbeiterinnen der Arztrufzentrale. Doch die Anruferin, eine Altenpflegerin aus einem Pflegeheim, will davon nichts wissen – obwohl eine Bewohnerin schon seit längerer Zeit Nasenbluten hat.

Überzeugungsarbeit notwendig

Es kommt häufiger vor, dass Leute partout nicht wollen, dass der Rettungstransportwagen kommt, berichtet die gelernte Krankenschwester. Dann informiert sie den zuständigen Arzt. "Kann auch er den Patienten oder die Angehörigen nicht überzeugen, fährt er hin."

In den sprechstundenfreien Zeiten während der Woche arbeiten zehn bis 15 Frauen und Männer in der Telefonie der Arztrufzentrale. Am Wochenende oder an Feiertagen, wenn das Anrufaufkommen deutlich höher ist, sind es 30 bis 40. Alle haben eine medizinische Ausbildung und werden speziell für die Arbeit in der Zentrale geschult. Ergänzt wird ihre Arbeit von Disponenten, die sich um die Fälle kümmern, in denen ein Hausbesuch gefordert wird. Die Disponenten nehmen Kontakt mit dem zuständigen Arzt auf. Er entscheidet, ob und wann er zum Hausbesuch fährt. Manchmal sind in der Arztrufzentrale schnelle Entscheidungen gefragt: Kann der Patient selbst zum Arzt, braucht er einen Hausbesuch oder soll doch besser der Rettungsdienst kommen? "Wenn man wie wir alle lange im Beruf ist, kann man diese Dinge gut beurteilen", erzählt die Mitarbeiterin.

Rund eine Million Anrufe gehen pro Jahr in der Zentrale ein, rund einem Viertel der Anrufer genügt offensichtlich schon die Bandansage mit dem Hinweis auf die nächstgelegene Notfalldienstpraxis. "Gerade ältere Patienten wünschen einen persönlichen Ansprechpartner", sagt Geschäftsführer Dr. Michael Klein. Von den 753 000 Anfragen mit persönlichem Kontakt im Jahr 2016 mussten 11 400 an den Rettungsdienst verwiesen werden. Bei fast 295 000 kam es zu einem Hausbesuch. "Niemandem wird bei uns gesagt, er soll erst am nächsten Tag zum Arzt gehen", sagt Klein.

Zwei KVen, eine Zentrale

Die Arztrufzentrale ist eine wichtige Schaltstelle zu den Notfalldienstpraxen der Vertragsärzte, sagt der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNo) Dr. Frank Bergmann. Die Zentrale ist eine gemeinsame Einrichtung der KVNo und der KV Westfalen-Lippe (KVWL). Während die KVWL eine Notdienstreform mit einer Zentralisierung der Dienste bereits hinter sich hat, steht sie in Nordrhein noch bevor.

"Ziel ist es, den Notfalldienst noch effizienter zu machen", betont Bergmann. Das sei insbesondere angesichts der großen Zahl von Patienten notwendig, die in die Notfallambulanzen der Kliniken gehen.

Die auf Bundesebene diskutierten Konzepte einer integrierten Notfallversorgung – Portalpraxen oder integrierte Notfallzentren – gehen für ihn in die richtige Richtung. "Auch wir wollen eine sektorübergreifende Notfallversorgung in Zusammenarbeit mit den hiesigen Kliniken etablieren, in der die Versorgung der Patienten nach einem einheitlichen Triagierungssystem organisiert ist."

Bei einer solchen Reform würde auch eine Ausweitung der Arztrufzentrale zu einem Service-Zentrum Sinn machen, sagt der KV Nordrhein-Chef. Von dort könnten dann etwa Palliativ-Care-Teams oder Einsätze bei Pflege-Notfällen gesteuert werden. Eins ist dabei für Bergmann klar: "Wenn wir die Arztrufzentrale erweitern, können wir das nicht alles aus unseren Honoraren finanzieren."

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