Kritik der Deutschen Krebsgesellschaft

Gemeinsame Strategie beim Krebsplan nötig!

Der Nationale Krebsplan krankt an seiner Heterogenität, kritisieren Experten. Auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit lasse zu wünschen übrig.

Von Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht: 07.06.2017, 09:00 Uhr

KÖLN. Bei der Umsetzung des Nationalen Krebsplans gibt es ein wesentliches Hindernis: die mangelnde Verzahnung zwischen der gemeinsamen Selbstverwaltung auf der einen und Wissenschaft sowie Fachwelt auf der anderen Seite. "Wir haben einen Bruch im System, der sich auf die Versorgung auswirkt", sagte Dr. Johannes Bruns, Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft, bei der MCC-Fachkonferenz "Onkologie 2017" in Köln.

Während die Selbstverwaltung Richtlinien für die Versorgung von Krebspatienten entwickelt, erarbeiten die Fachgesellschaften medizinische Leitlinien, die Prozesse seien nicht abgestimmt, nannte er ein Beispiel: "Wir haben eine hohe Heterogenität."

Angesichts der fehlenden Zusammenarbeit der beiden zuständigen Ministerien, dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), sind die Diskrepanzen aus Sicht von Bruns nicht weiter erstaunlich. "Die Interdisziplinarität auf der Ebene der Ministerien fehlt", beklagte Bruns. Als der Nationale Krebsplan veröffentlicht wurde, habe das Forschungsministerium einen Aktionsplan zur Individualisierten Medizin herausgegeben. "Das waren zwei konkurrierende Papiere, die nicht miteinander abgestimmt waren."

Die mangelnde Kooperation der beiden Ministerien habe dazu beigetragen, dass sich Forscher und klinisch tätige Ärzte in den bisherigen Arbeiten zum Nationalen Krebsplan nicht ausreichend repräsentiert fühlen. "Eigentlich haben wir im Nationalen Krebsplan die Forschungsseite des BMBF immer vermisst." Um das zu kompensieren, habe das BMG über einen Förderschwerpunkt Gelder zur Verfügung gestellt.

Bruns sieht dringenden Handlungsbedarf. "BMG und BMBF müssen in Zukunft eine gemeinsame Strategie entwickeln." Anderenfalls lasse sich ein Gesamtkonzept für die Versorgung von an Krebs erkrankten Menschen nicht umsetzen. Dass ein solches Konzept notwendig ist, steht für Bruns außer Frage. Auf dem Weg dorthin ist trotz aller Skepsis und der Langsamkeit der Prozesse bereits einiges erreicht worden, betonte er. Das Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz aus dem Jahr 2013 bezeichnete er als Meilenstein.

"Aber seitdem gibt es lange Diskussionen, es wirklich in die Umsetzung zu bringen", so Bruns. Die Krebsregistrierung hält er für unbedingt notwendig. "Um ein Gesamtkonzept in der Onkologie zu verbreiten, muss ich auch wissen, was in der Onkologie stattfindet."

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