Kommentar zur DIHK-Umfrage

Gesundheit bleibt Chefsache

Bei der Gesundheitsförderung in Unternehmen hat sich "einiges getan", lobt der Wirtschaftsverband DIHK. Doch es wachsen Zweifel, wenn es gerade in kleinen Betrieben vor allem vom Chef abhängt, ob Gesundheitsvorsorge angeboten wird.

Von Florian StaeckFlorian Staeck Veröffentlicht:

Ein Lob vorab: Dass der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) den Stand der Gesundheitsförderung in 1500 Unternehmen ermittelt hat, ist zu begrüßen. Die Umfrage bietet eine Datengrundlage, auf der aufgebaut werden kann.

Freilich nutzen Verbände dieses Instrument auch immer, um pro domo Politik zu machen. Das ist beim DIHK nicht anders. Sein Motto lautet: Das vorhandene Engagement der Betriebe ist beeindruckend, weitere gesetzliche Regelungen schaden nur. Dies zeigt sich besonders deutlich in dem Unterfangen, das Thema psychische Belastung am Arbeitsplatz möglichst weit aus den Betrieben herauszuhalten.

Das Arbeitsumfeld könne nicht allein für den "Burn-out" von Mitarbeitern verantwortlich gemacht werden, heißt es. Das will auch niemand - schließlich gehen psychische Belastungssituationen in der Regel auf ein Bündel von Ursachen zurück.

Oft hängt es davon ab, ob dem Chef das Thema wichtig ist oder nicht

Nichts fürchten die Wirtschaftsverbände mehr als die von den Gewerkschaften geforderte "Anti-Stress-Regelung" - direkte Interventionen in die Betriebe via Gesundheitsförderung wären dem DIHK ein Gräuel.

90 Prozent der befragten Unternehmen lehnen gesetzliche Vorgaben zur Erhaltung der psychischen Gesundheit von Mitarbeitern ab. Aber: So leicht werden die Arbeitgeber das Thema nicht vom Tisch bekommen.

So positiv das Engagement vieler Betriebe auch sein mag. Wenn knapp die Hälfte der Unternehmen bei der Gesundheitsförderung auf die "Sensibilisierung der Führungskräfte" setzt, dann heißt das: Nach wie vor hängt ein gesundheitsförderliches Umfeld in vielen Fällen davon ab, ob dem Chef das Thema wichtig ist oder nicht.

Zumal die Umfrage belegt, dass sich nach wie vor kleine Unternehmen schwer dabei tun, Kooperationspartner für die Gesundheitsförderung ins Haus zu holen.

Der DIHK hat seiner Umfrage die Überschrift "An Apple a Day...." gegeben - wenn das denn mal so einfach wäre mit der Gesundheit im Betrieb.

Lesen Sie dazu auch: Gesundheitsförderung: Betriebe investieren in Fitness

Mehr zum Thema
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lange wurden Jugendliche nur als Zielgruppe für Corona-Impfungen wahrgenommen, nicht aber als Pandemieopfer. Das sorgt jetzt für volle Wartezimmer bei Therapeuten.

© Frank Hoermann / SvenSimon / picture alliance

Zi-Trendreport

Corona wirkt weiter auf Fallzahlen

Bei der Knie-Totalendoprothese gibt es einiges zu beachten, mahnt ein Orthopäde.

© peterschreiber.media / stock.adobe.com

Appell des BVOU

Mehr Zurückhaltung bei der Indikation zu Knieendoprothesen!

Besteht eine Indikation zur Schilddrüsen-Operation, wird heutzutage nicht mehr das ganze Organ entfernt.

© 7activestudio / stock.adobe.com

Screening

Schilddrüsenknoten sind meist unbedenklich