Gesundheitspolitik international

Gesundheitsmarkt soll um vier Billionen Dollar wachsen

Rosige Zeiten für die Gesundheitswirtschaft sagt eine Studie der Managementberatung Bain & Company voraus. Bis 2020 sollen die Umsätze auf zehn Billionen US-Dollar steigen - und vor allem die Industrieländer sollen profitieren.

Veröffentlicht: 04.04.2012, 17:23 Uhr

NEU-ISENBURG (reh). Der weltweite Gesundheitsmarkt wird in den kommenden acht Jahren ein Umsatzplus von vier Billionen US-Dollar (rund 3 Billionen Euro) erwirtschaften.

Damit werden die Umsätze bis 2020 auf insgesamt zehn Billionen US-Dollar steigen. So das Ergebnis einer Langfriststudie der Managementberatung Bain & Company.

Interessant ist dabei, dass laut Bain & Company die Hälfte dieses Wachstums auf die Industrieländer entfällt.

Für die Managementberater ist zwar klar: "Die öffentlichen Kassen sind leer, die Beiträge zur Krankenversicherung hoch und die Aussichten auf neue Blockbustermedikamente gering."

Nachfrage nach Therapien kurbelt Wachstum an

Aber das bremse das weltweite Wachstum im Gesundheitswesen nicht. Ganz im Gegenteil, in einer Analyse der globalen Wachstumstreiber und einer entsprechenden Modellrechnung haben die Berater das Gesundheitswesen als einen von acht Wachstumstreibern ausfindig gemacht.

Der Grund: Die Nachfrage nach Therapien, Therapeutika und anderen Gesundheitsdiensten lege zu.

Dabei entwickeln sich - so das Studienergebnis - die Märkte in Asien, Afrika und Lateinamerika mit durchschnittlichen Steigerungsraten von bis zu 15 Prozent pro Jahr dynamischer als in den Industriestaaten.

Das ändere aber nichts an der Dominanz des Westens. So würden die Gesundheitsausgaben in den USA pro Kopf von 8400 US-Dollar in 2010 auf 12.300 US-Dollar in 2020 zulegen, heißt es.

In den BRIC-Staaten würden die Ausgaben im gleichen Zeitraum von 200 auf 500 US-Dollar, und in den Entwicklungsländern von 100 auf 400 US-Dollar steigen.

Gesundheitsbewusstsein macht für Selbstzahlungen offen

Als Gründe, warum in den Industriestaaten trotz leerer Staatskassen die Gesundheitsausgaben nicht gekappt werden, führt Bain & Company Folgendes an:

Die anhaltende Alterung der westlichen Gesellschaft und die Ausbreitung von Zivilisationskrankheiten wie Diabetes gingen mit steigenden Behandlungs- und Arzneimittelkosten einher.

Der technische Fortschritt verbessere die Möglichkeiten, einst unheilbare Krankheiten wie Krebs zu therapieren. Und das höhere Gesundheitsbewusstsein der Menschen fördere ihre Bereitschaft, Annehmlichkeiten wie Massagen oder Vitaminpräparate selbst zu zahlen.

Aber es werde eine Veränderung geben: "Es geht in Zukunft nicht mehr um die bestmögliche Behandlung, sondern um die bestmögliche Behandlung zu den bestmöglichen Kosten", sagt Norbert Hültenschmidt, Leiter der weltweiten Healthcare-Praxisgruppe bei Bain & Company.

Darauf würden die Patienten, die einen immer höheren Teil der Kosten selbst tragen müssten, achten. "Die Marktmacht der Patienten wächst und verändert die Spielregeln im gesamten Gesundheitssektor", so Hültenschmidt weiter.

Spannend ist aber auch ein anderer Trend, den Bain & Company im Gesundheitswesen ausgemacht haben will:

Künftig würden so genannte "Adjacency-Player", die ähnlich einem Private-Equity-Fonds attraktive Gesundheitsmärkte identifizieren, dort Spezialisten akquirieren, weiterentwickeln und nach einigen Jahren wieder veräußern, in den Markt eintreten.

Lesen Sie auch: Weltweiter Gesundheitsmarkt - eine Goldgrube

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