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Mangel

Grippe-Impfstoff fehlt in vielen Teilen Deutschlands

Wer wegen einer Grippe-Impfung zum Arzt geht, bekommt derzeit vielerorts keine: In einigen Regionen gibt es keinen Impfstoff mehr.

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Jeder, der will, muss sich gegen Grippe impfen lassen, betont Bundesgesundheitsminister Spahn.

Jeder, der will, muss sich gegen Grippe impfen lassen, betont Bundesgesundheitsminister Spahn.

© Josef Muellek / stock.adobe.com

BERLIN. Grippe-Impfstoffe werden in vielen Teilen Deutschlands knapp. „Alles, was jetzt kommt, wird nicht mehr geimpft“, sagte etwa der Geschäftsführer der Apothekenkammer des Saarlandes, Carsten Wohlfeil.

„Bei allen Lieferanten ist momentan nichts zu holen“, erklärte Stefan Fink, Vorsitzender des Thüringer Apothekerverbandes. Auch aus anderen Bundesländern wie Sachsen, Niedersachsen und Hessen werden Lieferverzögerungen oder Engpässe gemeldet.

„Die Patienten haben in diesem Jahr möglicherweise viel früher angefangen, sich impfen zu lassen“, sagte Susanne Stöcker, Sprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI). „Ob sich auch insgesamt mehr Menschen impfen lassen oder die Impfungen nur früher stattfinden, können wir noch nicht wissen.“

Sie hält die große Grippewelle in der vergangenen Saison für einen möglichen Grund für das aktuelle Interesse. Dadurch seien vermutlich mehr Menschen für das Thema sensibilisiert.

Spahn lockert Beschaffungsvorschriften

Das Bundesgesundheitsministerium nennt als mögliche Ursachen für den Mangel neben einer höheren Nachfrage eine verspätete Bestellung von Grippe-Impfstoffen durch Ärzte und Apotheker, zu große Vorräte in manchen Arztpraxen und Apotheken sowie Direktverträge zwischen Krankenkassen und Apothekern.

Angesichts der regionalen Engpässe lockerte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Vorschriften für die Beschaffung. Demnach können die Bundesländer bei regionalem Bedarf erlauben, dass sich Apotheken und Arztpraxen untereinander mit Grippeimpfstoff versorgen und dass aus anderen Ländern der Europäischen Union bezogene Impfstoffe in den Apotheken abgegeben werden. Doch darüber, wie das konkret vonstatten gehen soll, scheint noch Unklarheit zu herrschen.

„Klar muss sein: Jeder, der will, muss sich gegen Grippe impfen lassen können“, sagte Spahn dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Mittwoch). Insgesamt sind laut Ministerium in Deutschland 15,7 Millionen Dosen verfügbar. Das seien rund eine Million mehr als im vergangenen Jahr genutzt wurden.

Herstellung dauert sechs Monate

Die Pharmakonzerne können für diese Saison keinen Grippe-Impfstoff mehr herstellen. Es dauere etwa sechs Monate, um einen üblichen Impfstoff auf Hühnereibasis zu produzieren, sagte eine Sprecherin des Herstellers Sanofi. „Zur Zahl der Vorbestellungen packen wir eine gewisse Sicherheitsmarge drauf, aber wir können nicht für 80 Millionen Menschen produzieren.“

Die Bestellungen kämen meist von Großhändlern und Apothekern. Die Wege zur Bestellung von Impfstoffen sind in den Bundesländern unterschiedlich.

Der Pharmaforscher Gerd Glaeske sieht die Schuld für den Mangel dagegen vor allem bei den Herstellern. Sie hätten die Nachfrage offenbar ziemlich falsch eingeschätzt, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Wohlfeil von der Apothekenkammer des Saarlandes zufolge könnte zu einer großen Nachfrage geführt haben, dass die gesetzlichen Kassen erstmals für den Vierfach-Impfstoff gegen Grippe bezahlen. Außerdem seien die Menschen durch eine Impfkampagne auf das Thema aufmerksam gemacht worden.

Künftig zentrale Bestellung in Niedersachsen

Auch in Schleswig-Holstein und Hamburg wird der Impfstoff knapp. Die Durchimpfungsrate sei jedoch in beiden Ländern bereits gut, sagte der Geschäftsführer des Apothekerverbandes Schleswig-Holstein sowie des Hamburger Apothekervereins, Thomas Friedrich.

Der Vierfach-Impfstoff sei bereits seit Anfang September erhältlich – dies könne mit ein Grund dafür sein, dass er diese Saison früher zur Neige geht.

In Niedersachsen haben nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung (KVN) einige Arztpraxen früh sehr viel Impfstoff bestellt. Bei anderen Ärzten, die später bestellt hätten, verzögerten sich jetzt Lieferungen.

Im kommenden Jahr will die KVN die Bestellung der Impfstoffe im Land anders regeln. „Wir denken an eine zentrale Bestellung für alle Ärzte in Niedersachsen“, sagte ein Sprecher.

Vorräte in Hessen erschöpft

In Hessen sind die Vorräte nach Angaben des Landesapothekerverbands seit dieser Woche erschöpft. Der Verband hatte nach eigenen Angaben mit einem Hersteller ein Kontingent vereinbart und den hessischen Apotheken angeboten, etwas daraus zu ordern.

„Über den Apothekerverband ist der Impfstoff von dieser Firma nicht mehr bestellbar. Einzelbestellungen über Großhändler scheinen derzeit schwer zu bekommen zu sein“, sagte Katja Förster vom Hessischen Apothekerverband. Der hessische Hausärzteverband und das Landesgesundheitsministerium haben hingegen bisher keinen Engpass bemerkt.

Volle Kühlschränke in einigen Bundesländern

Eine Art Sammelbestellung gibt es seit Jahren in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.

„Die Kühlschränke sind noch gut gefüllt“, sagte ein Sprecher der Gesundheitsverwaltung Berlin. Er verwies auf eine Rahmenvereinbarung mit der AOK Nordost. Die Krankenkasse organisiert die Versorgung mit Grippe-Impfstoffen seit 2011 für die drei Bundesländer gemeinsam mit den jeweiligen Apothekerverbänden.

Die AOK Nordost habe sich zusammen mit diesen Partnern frühzeitig um die Liefersicherheit bemüht, sagte Susanne Dolfen, Leiterin Arzneimittelversorgung bei der AOK Nordost. „Als erste Region in Deutschland haben wir bereits im Februar 2018 den Bedarf ermittelt, so dass der Grippeimpfstoff frühzeitig bestellt werden konnte.“

Auch in Baden-Württemberg ist die Versorgung wohl bisher gesichert. „Von einem massiven Mangel ist uns nichts bekannt“, teilte eine Sprecherin des Sozialministeriums in Stuttgart mit.

Zwar habe es Meldungen gegeben, wonach in manchen Regionen Baden-Württembergs der Impfstoff vergriffen sei. Für ein größeres Gebiet gelte das bisher aber nicht.

Das Robert-Koch Institut rät insbesondere Menschen über 60, Schwangeren, chronisch Kranken und medizinischem Personal zu einer Grippeimpfung. Nach Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums hat die Grippe in der vergangenen Saison in Deutschland rund neun Millionen Arztbesuche ausgelöst. (dpa)

Lesen Sie dazu auch: Versorgungsmangel: Wie kommen Ärzte an benötigte Grippe-Vakzinen? Mangel an Impfstoffen: Arztpraxen sollen leichter an Grippevakzine kommen Mangel: Grippe-Impfstoff fehlt in vielen Teilen Deutschlands

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