AOK-Versicherte befragt

Hausärzte wichtiger als schnelles Internet

Was ist den Menschen bei der medizinischen Versorgung wichtig? Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der AOK Nordwest zeigt: Hausärzte nehmen hier eine zentrale Position ein.

Ilse SchlingensiepenVon Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Hausarzt vor Ort – Daumen hoch!

Hausarzt vor Ort – Daumen hoch!

© Alexander Raths/Fotolia

DORTMUND. Die Verfügbarkeit von Hausärzten ist für die Menschen das entscheidende Element einer guten Infrastruktur. Das zeigt eine aktuelle Befragung im Auftrag der AOK Nordwest.

„Der Zugang zu Hausärztinnen und Hausärzten ist das Allerwichtigste, noch vor der Internetversorgung und den Einkaufsmöglichkeiten vor Ort“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kasse Tom Ackermann vor Journalisten in Dortmund.

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hatte im Auftrag der AOK Nordwest im Mai dieses Jahres 400 deutschsprachige Bürgerinnen und Bürger ab 18 Jahren aus Westfalen-Lippe telefonisch befragt.

Dabei gaben 97 Prozent an, dass die Verfügbarkeit von Hausärzten für sie wichtig ist. 92 Prozent nannten die Internetversorgung, 91 Prozent die Einkaufsmöglichkeiten. Der Zugang zu Krankenhäusern und Apotheken war jeweils für 88 Prozent wichtig. Fachärzte spielen für 82 Prozent eine entscheidende Rolle.

Mit Einrichtungen hoch zufrieden

„Bei den Menschen gibt es eine hohe Zufriedenheit mit den Einrichtungen im Gesundheitswesen“, berichtete Ackermann.

94 Prozent waren mit der Versorgung durch Apotheken zufrieden oder sehr zufrieden, 83 Prozent mit dem Angebot an Hausärzten, 74 Prozent mit Krankenhäusern. Die Bewertung der Versorgung mit Fachärzten und ambulanten Pflegeangeboten (jeweils 56 Prozent) sowie stationären Pflegeangeboten (50 Prozent) fiel schlechter aus.

Ein Teil der Befragten hatte allerdings das Gefühl, dass sich die Versorgungslage in den vergangenen Jahren verschlechtert hat. Für 23 Prozent war das bei Fachärzten der Fall, für 21 Prozent bei der stationären Versorgung, 21 Prozent bei Hausärzten, 20 Prozent bei Kinderärzten (siehe nachfolgende Grafik).

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„Die Wahrnehmung ist dabei abhängig davon, wo man lebt“, sagte Ackermann. So gehen überdurchschnittlich viele Befragte aus kleineren und mittelgroßen Städten bis 100.000 Einwohnern davon aus, dass sich die Versorgung mit Haus-, Fach- und Kinderärzten sowie Kliniken verschlechtert hat.

Grundsätzlich sei der persönliche Kontakt zu den Ärzten für die Menschen entscheidend, betonte er. Allerdings könne sich ein Großteil auch vorstellen, dass die Ärzte gewisse Leistungen delegieren. 45 Prozent bewerteten die Möglichkeit der Betreuung durch eine speziell ausgebildete und qualifizierte Fachkraft als sehr gut, 46 Prozent als gut.

Skepsis bei Videosprechstunde

Skeptischer stehen viele dem noch neuen Instrument der Videosprechstunde gegenüber. Eine Telekonsultation kann sich rund die Hälfte vorstellen. Von ihnen nannten 78 Prozent die Befundbesprechung als akzeptable Einsatzmöglichkeit, 71 Prozent Folgetermine.

Die Nutzung einer Videosprechstunde im Notfall war für 32 Prozent der grundsätzlich Aufgeschlossenen eine Option, der Erstkontakt mit dem Arzt für 28 Prozent. „Hier besteht noch Potenzial durch das persönliche Erleben“, erwartet der AOK-Chef.

Forsa hatte auch danach gefragt, welche Kriterien bei der Auswahl eines Leistungsanbieters entscheidend sind. Eine nachweislich gute Qualität des Arztes war für 96 Prozent sehr wichtig oder wichtig, gefolgt von der guten Erreichbarkeit mit 91 Prozent und der Spezialisierung (88 Prozent). Gute Empfehlungen im Internet spielten dagegen nur für 26 Prozent eine zentrale Rolle.

Aktive Rolle der Kasse erwünscht

Eine große Mehrheit wünscht sich eine aktive Rolle ihrer Krankenkasse bei der Versorgung. So würden es jeweils 97 Prozent begrüßen, wenn die Kasse sie nach der Entlassung aus der Klinik unterstützt oder sich für eine bessere Zusammenarbeit der verschiedenen Fachrichtungen einsetzt.

In der Vernetzung der verschiedenen Leistungsanbieter sehen 95 Prozent eine Aufgabe der Kasse, 83 Prozent in der Betreuung durch fachlich geschultes Personal zur Entlastung der Ärzte.

Das deckt sich mit den Erfahrungen der AOK Nordwest. „Wir haben zunehmend das Gefühl, dass wir uns nicht aufdrängen müssen. Wir werden gefragt“, sagte Ackermann.

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