Heilmitteltherapiegipfel

Heilmittelverbände beharren auf Direktzugang

Der Spitzenverband der Heilmittelverbände plädiert beim Therapiegipfel am Montag erneut für einen Direktzugang der Patienten. Auch die Teil-Akademisierung der Berufe wird kritisiert.

Von Anno Fricke Veröffentlicht: 09.09.2019, 13:25 Uhr
Heilmittelverbände beharren auf Direktzugang

Bewegungsfreiheit: Heilmittelerbringer wie Physiotherapeuten sollen Ende 2020 mit entscheiden dürfen, welche Behandlung nötig ist. So sieht es das TSVG vor.

© pololia / stock.adobe.com

BERLIN. Mit deutlichen Positionen gehen Vertreter des Spitzenverbands der Heilmittelverbände (SHV) am Nachmittag in eine Podiumsdiskussion mit Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Die Blankoverordnung als Substitut für den Direktzugang der Patienten zu Therapeuten „können wir so nicht akzeptieren“, sagte die SHV-Vorsitzende Ute Repschläger am Vormittag in Berlin.

Die Blankoverordnung soll ab dem 15. November 2020 den Therapeuten mehr Handlungsfreiheit bei der Wahl der einzusetzenden Therapie verschaffen.

Noch seien die Therapeuten mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung in Verhandlungen, für welch Diagnosen Blankoverordnungen ausgestellt werden könnten, so der SHV. Grundsätzlich befürworten die Therapeutenverbände einen Direktzugang der Patienten. In dieser Richtung hat sich die Gesundheitsministerkonferenz der Länder bereits 2016 ausgesprochen.

Auch in der Frage der Akademisierung liegen Verbände und Minister auseinander. Es stehe nicht zu befürchten, dass eine Mehrheit der Absolventen sich im Anschluss aus der unmittelbaren Patientenversorgung verabschiede, sagten Vertreter der Therapeutenverbände. „Das Gros der Therapeuten wird auch nach einem Studium an der Liege arbeiten“, sagte Hans Ortmann, Vorsitzender des Verbands Physikalische Therapie (VPT).

Zu wenig Anerkennung für Heilmittelerbringer

Zum heutigen Therapiegipfel, zu dem der Spitzenverband der Heilmittelerbringer eingeladen hat, erklärte zudem Maria Klein-Schmeink, Sprecherin für Gesundheitspolitik Bündnis 90/Die Grünen: „Der Beruf der sogenannten Heilmittelerbringer wird weit unter seinem Wert gehandelt. Zuletzt gab es mehr Geld, es gibt aber immer noch nicht genug Anerkennung“, heißt es in einer Mitteilung.

Die Lösungen seien aus diversen Gutachten bekannt, so Klein-Schmeink. Die Schlüsselwörter lauteten: Akademisierung und Direktzugang. In den meisten Ländern sei die Ausbildung bereits akademisch, Patienten mit Beschwerden könnten direkt zur Therapeutin gehen.

Die Grünen-Politikerin fordert daher die Bundesregierung auf, Modellversuche zum Direktzugang für Heilmittelerbringer schnell zu ermöglichen. Bei der Evaluation könnten zugleich wichtige Fragen zur Qualifikation oder der Vergütung für neue Leistungen berücksichtigt werden. Der Direktzugang bietet zudem ihrer Ansicht nach Lösungsmöglichkeiten für eine bessere Versorgung, insbesondere im ländlichen Raum.

Heilmittel und -erbringer

Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung haben Anspruch auf medizinisch notwendige Heilmittel. Diese dürfen nur von Ärztinnen und Ärzten verschrieben werden.

Heilmittelleistungen dürfen ausschließlich von zugelassenen Heilmittelerbringern wie Physio- und Ergotherapeuten, Logopäden und Sprachtherapeuten erbracht werden.

Beispiele für Heilmittel sind Krankengymnastik, Massage, Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie oder Ergotherapie. (Quelle: BMG)

Lesen Sie dazu auch: Therapiegipfel: Spahn bleibt bei Frage der Akademisierung hart

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