Berufspolitik

Hilfe bei Depression soll in Unternehmen verankert werden

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MÜNCHEN (sto). Depressionen gehören zu den größten Volkskrankheiten, betont Professor Ulrich Hegerl aus Leipzig. Bundesweit leiden etwa vier Millionen Menschen an einer behandlungsbedürftigen Depression.

Depressionen gehörten noch immer zu den in ihrer Schwere unterschätzten Krankheiten, sagte der Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik Leipzig bei einer Fachtagung der Stiftung Deutsche Depressionshilfe in München.

Die Stiftung hat im April 2008 die Rechtsnachfolge des Kompetenznetzes Depression Suizidalität angetreten. Nur ein Bruchteil der Betroffenen werde konsequent behandelt, erklärte Hegerl. Noch immer würden bei Patienten depressive Erkrankungen unter "Ausweichdiagnosen" wie Burnout, Fibromyalgie oder chronischer Rückenschmerz versteckt.

In vielen Unternehmen werde die Depression inzwischen als wichtiges Thema des betrieblichen Gesundheitsmanagements wahrgenommen, berichtete der Psychiater Dr. Hans Peter Unger von der Asklepios Klinik in Hamburg. Das Aktionsnetz Depression am Arbeitsplatz, das von der Stiftung vor kurzem gegründet wurde, wolle deshalb vor allem die Personalverantwortlichen und die Betriebsmediziner in Unternehmen über Ursachen, Symptome und Auswirkungen der Depression aufklären, erläuterte Unger.

Hintergrund der Aktivitäten sei die steigende Zahl psychischer Erkrankungen. "Seit 2001 liegen psychische Erkrankungen an erster Stelle der Gründe für den vorzeitigen Verlust der Erwerbsfähigkeit", erklärte Unger. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, sollte in den Betrieben eine Unternehmenskultur geschaffen werden, in der offen über Anforderungen und Grenzen der Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern gesprochen werden kann. Das Aktionsnetz wolle den Unternehmen dafür nicht nur Informationsmaterialien zur Verfügung stellen, sondern biete sich auch als Plattform für den Erfahrungsaustausch an, erklärte Unger.

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