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Online-Therapie bei Depression

Hilfe zur Selbsthilfe vom virtuellen Psycho

Ab November können Ärzte DAK-Versicherten mit leichten bis mittleren Depressionen ein Online-Therapieverfahren auf Rezept verordnen. Ergebnisse einer randomisierten Wirksamkeitsstudie zeigen Erfolge.

Von Jonas Tauber Veröffentlicht:
Online-Therapie bei Depression wirkt. Das zeigt unter anderem eine Studie im Auftrag der DAK.

Online-Therapie bei Depression wirkt. Das zeigt unter anderem eine Studie im Auftrag der DAK.

© Photographee.ei / Fotolia.com

BERLIN. Die DAK Gesundheit setzt angesichts der zunehmenden Bedeutung psychischer Erkrankungen für Arbeitsunfähigkeiten auch auf den Einsatz des Online-Therapieprogramms Deprexis.

Es dient der Unterstützung von Patienten mit leichten bis mittelschweren Depressionen. Depressionen sind die bei Versicherten der DAK Gesundheit die mit Abstand häufigste psychische Erkrankung.

"Wir werden alle in der Versorgung tätigen Ärzte über dieses Angebot informieren", sagte der DAK-Vorstandsvorsitzende Professor Herbert Rebscher bei der Vorstellung einer Studie der Universität Bielefeld zur Wirksamkeit des Programms in Berlin.

Mit Deprexis könne nicht nur die durchschnittlich sechsmonatige Wartezeit auf einen Therapieplatz überbrückt werden, auch die Wiedereingliederung nach einer Behandlung könne damit sinnvoll begleitet werden, sagte er. Ab November sollen DAK-Versicherte das Programm auf Verschreibung bundesweit nutzen können.

Auf Basis der Verhaltenstherapie

Deprexis ist bei der DAK Gesundheit bereits seit zwei Jahren im Spezialisten-Netzwerk Veovita in Nord- und Ostdeutschland im Einsatz. Es soll Betroffenen auf Basis der kognitiven Verhaltenstherapie eine auf sie zugeschnittene Hilfe zur Selbsthilfe bieten. Das Programm ist über Computer, Laptop oder Smartphone nutzbar.

Die Anonymität der Nutzer ist laut DAK gewährleistet. An der randomisierten Wirksamkeitsstudie nahmen 3800 erwachsene Versicherte der DAK Gesundheit mit leichten bis mittleren psychischen Beschwerden teil. "Die schweren Fälle haben wir ausgeschlossen, auch um die Patienten zu schützen", sagte Studienleiter Professor Wolfgang Greiner.

Sie wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen aufgeteilt: Die eine nutzte über drei Monate das Programm, die andere Gruppe erhielt zu Kontrollzwecken der Ergebnisse lediglich eine allgemeine Broschüre zum Thema Depressionen. Über zwölf Monate wurden beide Gruppen anhand verschiedener Fragebögen zur Entwicklung ihrer Beschwerden befragt.

Greiner zog ein positives Fazit im Hinblick auf den Behandlungserfolg und Kosten. "Hier haben wir den ganz seltenen Fall, dass wir eine Verbesserung der Symptomatik haben als auch geringere Kosten", sagte er. "Mit der Unterstützung von Deprexis schwächt sich der Depressionsgrad in relativ kurzer Zeit deutlich ab."

Bessere Lebensqualität

Die Befragten berichteten laut Greiner außerdem über eine Verbesserung der Lebensqualität. Dr. Hans-Peter Unger, Chefarzt des Zentrums für seelische Gesundheit an der Asklepios Klinik in Hamburg-Harburg, sagte, das Online-Programm sei eine gute Ergänzung für traditionelle Therapien.

"Es gibt Patienten, die können das Haus nicht verlassen, und für die stellt sich die Frage, wie sie die Zeit überbrücken." Ersetzen könne das Programm eine Therapie aber nicht.

Parallel zur Wirksamkeitsstudie wurden die Ergebnisse des DAK-Psychoreports 2015 vorgestellt. Die Fehltage infolge psychischer Erkrankungen erreichten vergangenes Jahr bei den Versicherten mit 6,3 Millionen ein neues Rekordniveau.

Damit waren psychische Erkrankungen bei der Kasse erstmals bundesweit der zweithäufigste Grund für Krankmeldungen. Wichtiger waren nur Muskel-Skelett-Erkrankungen.

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