Kommentar zum Pflegepakt

Im Wettrennen abgehängt

Von Robert Büssow Veröffentlicht:

Der Wettlauf um Pflegekräfte, den die Bundesländer derzeit untereinander austragen, hat ein Gutes: Die Löhne steigen, die Arbeitsbedingungen werden besser, denn die begehrten Pfleger treten immer selbstbewusster auf.

Die andere Seite der Medaille ist: Die neuen Bundesländer hinken in diesem Wettrennen mit deutlich niedrigeren Löhnen schon heute hinterher. Sie werden diesen Wettlauf auch klar verlieren. Jedenfalls unter den derzeitigen Voraussetzungen.

In Thüringen etwa bejubelten Politik, Kassen und Pflegeverbände vor einem Jahr mit großem Tamtam einen Pakt für Pflege. Die Bereitschaft, etwas zu tun, war so groß wie nie. Die Feierlaune ist längst verflogen.

Denn die Pflegekassen stehen vor einem Dilemma: Sie verhandeln zwar mit den Pflegeheimen aus, was bezahlt wird und zu welchem Preis. Doch jede Erhöhung zahlt allein der Heimbewohner, den niemand gefragt hat. Das ist keine böse Absicht der Kassen, sondern bundesweite Rechtslage.

Was der Staat noch zuschießt, wurde seit 1995 nur minimal erhöht. Angesichts der weiterhin niedrigeren Einkommen und Renten im Osten, bleibt vielen Familien gar nichts anderes übrig als Angehörige zu Hause zu pflegen. Das Heim ist keine Alternative, weil unbezahlbar.

Die Pflegesätze müssen deutlich steigen. Das kann auf Länderebene mit keinem noch so gut gemeinten Pakt geändert werden. Das ist ein Problem, das der Bund lösen muss.

Lesen Sie dazu auch: Pflege in Thüringen: Ein Pakt ohne Leben?

Mehr zum Thema

Versicherungsfremde Leistungen

Ersatzkassen warnen vor Kostenfallen

„Schnellster Weg aus der Pandemie“

Lauterbach: Allgemeine Impfpflicht ist moralisch vertretbar

Schlagworte
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Nicht jeder führt sich den Beipackzettel gerne zu Gemüte. Ist aber doch wichtig zu wissen, wann ein Medikament kontraindiziert ist.

© Dan Race / stock.adobe.com

Unterschiedliche Fachinformationen

Oftmals abweichende Gegenanzeige trotz wirkstoffgleicher Arzneimittel

Die Frustration über die fehleranfällige Digitalisierung hat bei Ärztinnen und Ärzten im vergangenen Jahr zugenommen, zeigt das am Freitag veröffentlichte „Praxisbarometer Digitalisierung“ der KBV.

© baranq / stock.adobe.com

KBV-Praxisbarometer

Ärzte frustriert: Tägliche TI-Probleme in jeder fünften Praxis