Statistik

Immer mehr Menschen pflegebedürftig

Die Zahl der Pflegebedürftigen hat allein seit 2005 um 730.000 zugelegt. Doch der Trend zur Pflege im Altenheim ist gebrochen. Immer mehr Alte werden zu Hause gepflegt.

Von Florian StaeckFlorian Staeck Veröffentlicht: 16.01.2017, 10:41 Uhr
Die Zahl der zu Hause gepflegten wächst deutlich stärker als die der in Heimen betreuten alten Menschen.

Die Zahl der zu Hause gepflegten wächst deutlich stärker als die der in Heimen betreuten alten Menschen.

© Ingo Bartussek / Fotolia.com

Berlin Ende 2015 sind in Deutschland 2,86 Millionen Menschen pflegebedürftig gewesen. Ihre Zahl ist in den vergangenen zehn Jahren um rund 730.000 gestiegen – das entspricht etwa der Einwohnerzahl von Frankfurt am Main.

Das geht aus den neuen Daten hervor, die das Statistische Bundesamt am Montag vorgestellt hat. Allein im Vergleich zu 2013 ergibt sich ein Anstieg von 234.000 Pflegebedürftigen (plus 8,9 Prozent). Fast zwei Drittel von ihnen sind Frauen (64 Prozent).

Nach der jüngsten Erhebung setzt sich der Trend fort, dass die Zahl der ambulant zu Hause gepflegten deutlich stärker wächst als die der in Heimen betreuten alten Menschen. Der Anteil der stationär gepflegten Menschen legte seit 2013 lediglich um 2,5 Prozent auf 783.000 zu.

Dagegen wuchs die Zahl der in den eigenen vier Wänden versorgten Pflegebedürftigen um 11,6 Prozent auf 2,08 Millionen. In dieser Gruppe spielt die Pflege durch Angehörige eine dominante Rolle. Bei 1,38 Millionen alten Menschen ist die Familie die alleinige Pflegeinstanz, bei weiteren 692.000 Menschen helfen zusätzlich ambulante Pflegedienste.

Früher Trend zur Heimpflege

Vor einer Dekade sah das Bild noch deutlich anders aus. Damals wurden nur rund 68 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause versorgt – fünf Prozentpunkte weniger als im vorvergangenen Jahr. Zeichnete sich bis 2005 ein Trend hin zu professioneller, stationärer Pflege ab, so hat sich das Verhältnis seitdem umgekehrt. Die Zuwachsraten der zu Hause gepflegten liegen seitdem stetig höher als in stationären Pflegeheimen.

Dessen ungeachtet hat in der vergangenen Dekade die Zahl der Pflegeheime stetig zugenommen. Aktuell sind es bundesweit rund 13.600. In der höchsten Pflegestufe beliefen sich dort die monatlichen Kosten für Unterkunft und Verpflegung auf 3165 Euro. Die Zahl der Beschäftigten in Heimen belief sich zuletzt auf 730.000. Da zwei Drittel von ihnen Teilzeit arbeiten, entspricht dies insgesamt 525.000 Vollzeitäquivalenten.

Damit stellt sich die Pflege als ein Beschäftigungsmotor dar: Vor zehn Jahren waren in den damals bundesweit 10.400 Heimen rund 546.000 Beschäftigte registriert – etwa 184.000 weniger als 2015. In den bundesweit 13.300 ambulanten Pflegediensten sind zuletzt 356.000 Personen angestellt gewesen, 214.000 Personen waren es vor zehn Jahren (plus 142.000).

Das Durchschnittsalter der Bevölkerung ist in Deutschland seit 2005 um fast zwei Jahre auf 44,2 Jahre gestiegen. Allein die Zahl der über 90-Jährigen hat seit 2005 stark von 604.000 auf 718.000 zugelegt.

51 Tausend Auszubildende und Umschüler sind zuletzt in Pflegeberufen ausgebildet worden. 85 Prozent von ihnen streben dabei einen Abschluss in der Altenpflege an.

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