GKV-Defizit

Institut erwartet Fehlbetrag von 25 Milliarden Euro bei gesetzlichen Krankenkassen

Das Maßnahmenpaket zur Stabilisierung der Kassenfinanzen im kommenden Jahr lässt auf sich warten. Unterdessen wird über neue Fehlbeträge bei der GKV spekuliert.

Veröffentlicht:

Berlin. Vertreter des Gesundheitssystems haben eher zurückhaltend auf Meldungen reagiert, das Defizit der gesetzlichen Krankenkassen im kommenden Jahr könne deutlich höher ausfallen als bislang erwartet. „Wir gehen zunächst weiter von gut 17 Milliarden Euro aus“, hieß es dazu beim AOK-Bundesverband. „Das kommentieren wir nicht“, sagte ein Sprecher von Bundesgesundheitsminister Professor Karl Lauterbach der Ärzte Zeitung.

Spitzenverband: Noch viele Unbekannte auf dem Weg

Ausführlicher äußerte sich der GKV-Spitzenverband: „In den letzten Jahren gab es eine Kombination von ausgabenintensiver Gesundheitspolitik und kurzatmiger Finanzierungspolitik. Dies hat dazu geführt, dass die gesetzliche Krankenversicherung im kommenden Jahr, Stand heute, eine Finanzierungslücke in einer Größenordnung von 17 Milliarden Euro haben wird. Bis zur endgültigen Bewertung durch den Schätzerkreis im Oktober liegen noch viele Unbekannte auf dem Weg. Seien es Honorarforderungen verschiedener Gruppen im Gesundheitswesen, die Entwicklung des Arbeitsmarktes oder auch die rasant steigenden Ausgaben für Medikamente. Diese Entwicklungen werden wir in den kommenden Monaten laufend auswerten und dann in die Beratungen des Schätzerkreises mit einbringen“, sagte Florian Lanz, Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, auf Anfrage der Ärzte Zeitung.

Bis zu 25 Milliarden Euro könnte das Defizit der Gesetzlichen Krankenkassen im kommenden Jahr betragen, hat das Institut für Gesundheitsökonomik (IfG) für die BILD ausgerechnet. Der Krieg in der Ukraine und seine Folgen für Arztpraxen und Krankenhäuser seien in den bisherigen Kalkulationen nicht eingepreist, wurde IfG-Chef Professor Günther Neubauer am Dienstagvormittag in verschiedenen Medien zitiert. Eine höhere Inflation treibe die Kosten im Gesundheitswesen und wirke sich über schlechtere Aussichten für den Arbeitsmarkt auch auf die Einnahmenseite der Krankenkassen aus.

Bereits Mitte Mai waren Gerüchte laut geworden, das Defizit könne bei 24 Milliarden Euro landen.

Unsicherheit lässt Spekulationen blühen

Bislang geht die Bundesregierung von einem Kassendefizit von rund 17 Milliarden Euro für 2023 aus. Moderate Beitragssteigerungen hat der Gesundheitsminister nicht ausgeschlossen. Sie wären Teil eines seit Wochen angekündigten GKV-Beitragsstabilisierungsgesetzes, das sich laut Auskunft des BMG derzeit noch in der Regierungsabstimmung befindet. Dieses Gesetz sei die Ursache der Spekulationen. Solange dieses Gesetz nicht vorliege, sei klar, dass die Zahlen auf die Bäume getrieben würden, um so viel wie möglich herauszuschlagen, hieß es am Dienstagmorgen dazu aus der Selbstverwaltung. (af)

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Berufspolitik

Abirateron-Regress: Urologen in Nordrhein berichten von bis zu 40.000 Euro

* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Vergleich der Kreise

Wo sich besonders wenige Senioren gegen Pneumokokken impfen lassen

„Sprechende Medizin“ beim Bayerischen Rundfunk

Hausarzt Schelling klärt im Radio über wichtige Gesundheitsthemen auf

Cochrane Review zu Ginkgo biloba

Ginkgo biloba: Kein Nutzen bei MCI, geringe Effekte auf Demenz

Lesetipps
Menschen im Park machen Qigong-Übungen

© zinkevych / Stock.adobe.com

Nutzen durch randomisierte Studie belegt

Qigong-Übungen senken erhöhten Blutdruck

Tablette, auf der GLP-1 steht

© THIBNH / Generated with AI / Stock.adobe.com

Neuer GLP-1-Rezeptoragonist

Orforglipron: Bekommt Semaglutid jetzt Konkurrenz?