Gastbeitrag
Die Zukunft der Versorgung liegt in starken Gesundheitsregionen
Brandenburgs Gesundheitsministerin Britta Müller will in Gesundheitsregionen die Versorgung regional und sektorenübergreifend organisieren. In ihrem Gastbeitrag skizziert sie am Beispiel der Lausitz, worauf es konkret ankommt.
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Der alte Wasserturm gilt als Wahrzeichen von Forst. Nach den Vorstellungen von Britta Müller soll die Kreisstadt im brandenburgischen Spree-Neiße auch ein starker Standort der Gesundheitsregion Lausitz werden.
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Britta Müller, Ministerin für Gesundheit und Soziales in Brandenburg
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Die Krankenhausreform zwingt uns dazu, medizinische Versorgung neu zu denken. Gerade in einem Flächenland wie Brandenburg zeigen Fachkräftemangel, wirtschaftlicher Druck und steigende Qualitätsanforderungen sehr deutlich, dass isolierte Einzelstandorte an ihre Grenzen stoßen. Die entscheidende Frage lautet daher nicht, wie jeder Krankenhausstandort unverändert erhalten werden kann, sondern wie Versorgung für die Menschen insgesamt verlässlich gesichert wird.
Die Antwort liegt in starken Gesundheitsregionen. Dabei geht es ausdrücklich nicht um eine Einheitslösung oder eine Blaupause, die überall gleich umgesetzt wird, sondern um ein Prinzip: Versorgung regional, kooperativ und sektorenübergreifend zu organisieren. Ambulante und stationäre Angebote müssen enger zusammenwirken. Ich bezeichne diesen Ansatz als „stambulant“ – als Beschreibung einer notwendigen Realität, nicht als neues Modell.
Gemeinsames Verständnis für gesamte Region
Ein anschauliches Beispiel dafür ist die Gesundheitsregion Lausitz mit den Standorten Guben und Forst. Beide Häuser kamen aus schwierigen Situationen. Fachkräftemangel und wirtschaftlicher Druck hatten die Standorte stark belastet. In Guben war ein Sanierungsverfahren notwendig, in Forst konnte eine Planinsolvenz abgewendet werden. Allein hätte jeder Standort nur begrenzte Perspektiven gehabt.
Britta Müller ist seit 2024 Gesundheitsministerin des Landes Brandenburg (parteilos, zuvor BSW).
Von 2020 bis 2024 leitete sie die Pflegekasse der AOK Sachsen-Anhalt.
Von 2014 bis 2019 war sie Abgeordnete im Landtag Brandenburg und gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion.
Sie hat hat einen Master Integrierte Gerontologie und ist studierte Gesundheitswissenschaftlerin.
Der entscheidende Schritt war das gemeinsame Verständnis, dass es nicht um Abbau, sondern um Neuorganisation geht. Nicht mehr der einzelne Standort stand im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie die Versorgung für die gesamte Region verlässlich gesichert werden kann.
Kooperationen sind daher ein probates Mittel, um medizinische Versorgung unter den heutigen Rahmenbedingungen zu sichern. Moderne Medizin, eine dauerhaft abgesicherte 24/7-Notfallversorgung und steigende Qualitätsanforderungen lassen sich vielerorts nicht mehr von einzelnen Standorten allein gewährleisten. Kooperation bedeutet dabei nicht Rückzug, sondern eine bewusste Neuorganisation von Versorgung mit klarer regionaler Verantwortung.
Kooperationen sind keine Einheitslösung
Kern dieses Ansatzes ist eine strukturierte Arbeitsteilung. Forst und Guben konkurrieren nicht mehr um dieselben Leistungen, sondern ergänzen sich gezielt. Medizinische Profile werden abgestimmt, Leistungen sinnvoll verteilt und regional gedacht. Entscheidend ist dabei ein Grundsatz: Nicht jeder Standort muss alles anbieten – aber jede Region muss gut versorgt sein.
Dabei gilt klar: Kooperationen sind keine Einheitslösung. Brandenburg ist ein Flächenland mit sehr unterschiedlichen regionalen Ausgangslagen. Deshalb kann es kein Modell geben, das überall identisch funktioniert.
Übertragbar sind die zentralen Prinzipien, nicht die konkrete Ausgestaltung. Dazu gehören eine klare und strukturierte Arbeitsteilung, gemeinsame medizinische Konzepte, abgestimmter Personaleinsatz sowie verlässliche Notfallstrukturen auf regionaler Ebene. Diese Prinzipien können in unterschiedlichen Regionen unterschiedlich umgesetzt werden – abhängig von Entfernungen, Bedarfen und vorhandenen Strukturen.
Jede Region muss gut versorgt sein
Für die Menschen vor Ort zählt am Ende nicht, welcher Standort formal zuständig ist, sondern ob Versorgung funktioniert. Grund- und Notfallversorgung müssen wohnortnah gesichert bleiben, während komplexe Leistungen regional gebündelt werden. Die Lausitz mit Guben und Forst ist keine Blaupause, aber ein überzeugendes Beispiel dafür, wie Kooperation statt Konkurrenz gelingen kann.
Es geht nicht um Abbau, sondern um Neuorganisation. Die Zukunft der Versorgung liegt nicht im einzelnen Krankenhausstandort, sondern in starken Gesundheitsregionen. Nicht jede Klinik kann alles – aber jede Region muss gut versorgt sein.






