Heikle Corona-Lage

Intensivpatienten müssen erneut verlegt werden

Die Corona-Lage spitzt sich zu: In einigen Bundesländern werden wieder Intensivpatienten verlegt und die Debatte um die Impfpflicht gewinnt an Schärfe.

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Ein Intensivtransportwagen der Dresdner Feuerwehr im Einsatz: Diese Fahrzeuge werden für die Verlegung von Corona-Patienten genutzt. Sie werden in den kommenden Tagen nach einem festgelegten Verteilungsprinzip in weniger von Corona betroffene Regionen verlegt.

Ein Intensivtransportwagen der Dresdner Feuerwehr im Einsatz: Diese Fahrzeuge werden für die Verlegung von Corona-Patienten genutzt. Sie werden in den kommenden Tagen nach einem festgelegten Verteilungsprinzip in weniger von Corona betroffene Regionen verlegt.

© Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Berlin. Die Zahl der Corona-Infektionen schnellt in die Höhe. Am Mittwochmorgen meldete das Robert Koch-Institut knapp 66.890 Neuinfektionen binnen eines Tages.

Die Inzidenz stieg damit über 400 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner, exakt auf 404,5. In den vergangenen 24 Stunden starben 335 weitere Menschen an der Corona-Infektion. Es wird damit gerechnet, dass die Zahl der Gestorbenen am Donnerstag die Marke von 100.000 überschreitet.
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Intensivpatienten müssen verlegt werden

In Bayern, aber auch in Thüringen, Sachsen, Berlin und Brandenburg war am Dienstagabend damit begonnen worden, Intensivpatienten in andere, weniger stark von Corona betroffene Regionen und Krankenhäuser zu verlegen. Dies geschieht nach einem bereits im vergangenen Jahr festgelegten Schema. Das hat die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) am Abend mitgeteilt.

Das „Kleeblatt-Konzept“ habe sich im vergangenen Jahr etabliert, sagte Professor Jan-Thorsten Gräsner, Direktor des Instituts für Rettungs- und Notfallmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein. Es gebe zudem einen neuen Katalog, der Intensivmediziner bei der Entscheidung unterstütze, welche Patienten aus strategischen Gründen verlegt werden können.

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Lauterbach hält lokale Lockdowns für möglich

Der SPD-Gesundheitspolitiker Professor Karl Lauterbach sieht wenig Hoffnung auf eine schnelle Besserung der Lage. Es werde mindestens zehn Tage dauern, bis das an diesem Mittwoch in Kraft tretende neue Infektionsschutzgesetz wirken könne, sagte der Epidemiologe im „ARD-Morgenmagazin“.

„Wir hätten schon vor vier Wochen beginnen müssen, die 2G-Regel flächendeckend umzusetzen“, sagte Lauterbach mit Blick auf die Kritik aus den südlichen Bundesländern am Gesetz. Das sei nicht passiert, auch nicht in Bayern und anderen Regionen, in denen die Inzidenzen derzeit besonders hoch gestiegen seien. Auch wenn das Gesetz keinen bundesweiten Shutdown vorsehe, seien lokale Lockdowns weiter möglich.

Städtetag wirbt für Impfen in Apotheken

Der Präsident des Deutschen Städtetages, Markus Lewe, Oberbürgermeister in Münster, forderte am Morgen im Deutschlandfunk, auch Apothekern das Impfen zu ermöglichen. Um eine Impfpflicht komme die Politik nicht herum.

Michael Theurer, Fraktions-Vize der FDP im Bundestag, hat sich dagegen erneut gegen eine solche Pflicht ausgesprochen.

Theurer gilt als ein Kandidat für das Amt des Gesundheitsministers. Eine allgemeine Impfpflicht sei nicht vereinbar mit dem Grundgesetz, betonte Theurer. Es werde aber intensiv eine einrichtungsbezogene Impfpflicht geprüft.

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Auch die Zahnärzteschaft hatte jüngst ihre Bereitschaft zum Impfen gegen Corona bekräftigt. „Wenn es gewünscht ist, unterstützen wir gerne die ärztliche Kollegenschaft, um Tempo in die Booster-Impfungen zu bringen und diese flächendeckend anzubieten“, sagte der Präsident der Bundeszahnärztekammer, Professor Christoph Benz. Es gelte, alle verfügbaren Kräfte zu bündeln, um die vierte Corona-Welle zu brechen.

Weigeldt: Impfpflicht löst kein Zwangsimpfen aus

Für eine Impfpflicht in bestimmten Bereichen wie Seniorenheimen sprach sich der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt, aus. Auf diese Weise würden vulnerable Gruppen vor Ansteckung geschützt, sagte Weigeldt im „Deutschlandfunk“ am Mittwoch. Mit Blick auf die Krankenhäuser gehe er von einer Impfquote von über 95 Prozent aus. „Und ich schätze, die ist bei uns auch in der Höhe.“

Sollte eine allgemeine Impfpflicht kommen, bedeute das nicht, dass Menschen „zwangsgeimpft werden“, sagte Weigeldt. Es bedeute aber, dass man Strafe zahlen müsse, wenn man sich der Impfung entziehe.

Diakonie-Präsident Ulrich Lilie nannte eine Impfpflicht „zum Schutz der Verletzlichsten in unserer Gesellschaft“ als nunmehr „richtigen Weg“. Angesichts der immer dramatischeren Lage müsse der Staat jetzt seine Verpflichtung zum Schutz von Menschenleben einlösen und handeln. (af/hom)

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