Hessen

KV präsentiert Plan für reformierte Notfallversorgung

KV-Vorstand sieht sich für Umsetzung von Spahns Plänen gerüstet – will dafür aber Geld von den Kassen.

Von Christoph Barkewitz Veröffentlicht: 11.11.2019, 15:58 Uhr

Frankfurt/Main. Auch wenn Begeisterung über die Pläne von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zur Neuordnung der Notfallversorgung anders aussieht, so hat der Vorstand der KV Hessen am Montag erklärt diese umsetzen zu wollen. Allerdings unter einer Reihe von Bedingungen.

Gedacht ist in Hessen an ein Stufenmodell ähnlich dem gestuften System von Notfallstrukturen in Krankenhäusern des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA). Demnach sollen in der höchsten Stufe 3 sechs Integrierte Notfallzentren (INZ) in Krankenhäusern der Maximalversorgung eingerichtet werden: in Fulda, Kassel, Gießen, Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt.

KV präsentiert Plan für reformierte Notfallversorgung

Diese INZ sind den Plänen zufolge an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr mit in der ambulanten Notfallmedizin qualifizierten Ärzten besetzt, klinische Notfallmediziner stünden bei Bedarf jederzeit zur Verfügung.

Hier liegt aber auch schon der erste Reibungspunkt zu Spahns Plänen: Während der Minister ausdrücklich von Kliniken und KVen gemeinsam betriebene INZ möchte, stellten die hessischen KV-Vorstände diese eindeutig als „Eigeneinrichtungen der KV“ vor. Was auch Konflikte mit den Krankenhäusern birgt: Erst jüngst hatte der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Dr. Gerald Gaß, im Interview mit der „Ärzte Zeitung“ betont, die Kliniken sollten die INZ alleine betreiben.

INZ in Eigenregie der KV

In der Stufe 2 sieht die KV Hessen 15 Bereitschaftsdienstzentralen mit Anbindung an ein Krankenhaus und sogenanntem gemeinsamen Tresen vor – wie aktuell bereits in Klinikum Frankfurt Höchst in Betrieb. Die Stufe 1 bilden 27 Zentralen mit Anbindung an ein Krankenhaus und die Stufe 0 acht Zentralen ohne Anbindung an ein Krankenhaus.

Die Stufen 2 und 1 sind definiert über eine Versorgung zu sprechstundenfreien Zeiten (Wochenende und abends), ergänzt durch Partnerpraxen (tagsüber) und einen Fahrdienst in den Nachtstunden. „Wir knüpfen damit ein engmaschiges Versorgungsnetz für eine bessere Patientensteuerung in Hessen und schaffen die Voraussetzungen dafür, dass die Notfallversorgung vorrangig in den wohnortnahen und kostengünstigeren Strukturen stattfinden kann“, erklärten die beiden Vorstandsvorsitzenden Frank Dastych und Dr. Eckhard Starke bei der Präsentation in Frankfurt.

„Das kriegen wir in wenigen Jahren hin“, verspricht Starke. Das dies klappt, liegt nach Sicht der KV-Vorstände daran, dass Hessen schon jetzt zu den Bundesländern mit der am höchsten entwickelten Struktur im Ärztlichen Bereitschaftsdienst gehöre.

Mehrkosten zu Lasten der Kassen

Eines müsse aber klar sein, betonen Dastych und Starke: Die erheblichen Zusatzkosten dürften nicht aus der Gesamtvergütung der Kassen-Ärzte beglichen werden, sondern von den Krankenkassen. Den jährlichen Mehrbedarf beziffert Starke allein für die INZ auf rund 20 Millionen Euro im Jahr, zuzüglich der Kosten für die 15 gemeinsamen Tresen von jeweils 300 000 Euro. Dieser Wert orientiert sich an den Ausgaben für den Höchster Tresen.

Die 20 Millionen für die sechs INZ kalkuliert die KV wie folgt:

  • 60 Ärzte im Schichtbetrieb á 100 000 Euro ergibt sechs Millionen Euro,
  • 150 nichtärztliche Mitarbeiter in Schichtbetrieb á 35 000 Euro kosten 5,25 Millionen Euro,
  • Miete und Betriebskosten summieren sich bei jeweils 1,5 Millionen Euro pro INZ insgesamt auf weitere neun Millionen Euro.

Vorstandschef Dastych weist auf ein zusätzliches personelles Problem bei der Umsetzung der Pläne hin. Die für den Schichtbetrieb im INZ nötigen 60 Ärzte würden dann in der ambulanten Versorgung fehlen. Ein Drittel oder gar die Hälfte der für die Niederlassung in Frage kommenden Ärzte für Innere oder Allgemeinmedizin würden damit vom Markt genommen. Zumal „wir hier keine Anfänger frisch von der Uni nehmen können, sondern erfahrene Ärzte brauchen“, ergänzte Starke.

Spahn solle deshalb den Bürgern reinen Wein einschenken: Die 24/7-Notfallversorgung sei möglich, dünne aber die Versorgung an anderer Stelle aus.

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