Berufspolitik

Kammer warnt vor Leihärzten

MÜNSTER (akr). Der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe Dr. Theodor Windhorst kritisiert, dass Kliniken dem Ärztemangel zunehmend mit "Leihärzten" begegnen.

Veröffentlicht: 11.01.2010, 12:31 Uhr

Unternehmen wie "Hire a Doc" oder "Doc-to-rent" verdienten mit Provisionen für die Vermittlung von Ärzten viel Geld, das der Patientenversorgung entzogen werde, moniert Windhorst. Nach Auffassung des Kammerpräsidenten tun sich die Krankenhäuser keinen Gefallen damit, wenn sie solche Angebote annehmen.

Mit Stundenlöhnen von bis zu 100 Euro liege die Vergütung für diese "Honorarärzte" deutlich über dem Einkommen der angestellten Mediziner. Dieses Gehaltsgefälle wiederum sorge bei den eigenen Ärzten zu Unzufriedenheit. "Manche Fachärzte eines Krankenhauses kommen durch den Kontakt mit diesen Leihärzten selbst auf den Geschmack und kündigen, um dann selbst als 'Freelancer‘ tätig zu werden", warnt er. Außerdem berge die Beschäftigung von Leihärzten Risiken, weil sie die Organisationsabläufe nicht so gut kennen wie die festen Mitarbeiter.

Der Ärztemangel werde sich noch verschärfen, zeigt sich Windhorst überzeugt. Denn in den kommenden Jahren werden viele Ärzte in den Ruhestand gehen. "Daher ist es dringend erforderlich, mehr Studienplätze für Medizin zu schaffen", fordert er. Windhorst schlägt vor, zum Beispiel an der Universität Bielefeld eine neue medizinische Hochschule einzurichten. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hatte vor kurzem ebenfalls die Überlegungen angestoßen, in Bielefeld einen Medizinstudiengang zu schaffen.

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Das Unverständnis kommt aus den eigenen Reihen

Wie in so vielen Fällen finden sich die größten Gegner einer Änderung des aktuellen Ärzteproblems in den eigenen Reihen. Die Alternative, das hat Herr Windhorst noch nicht begriffen, lautet nicht "Leiharzt oder angestellter Arzt" sondern "Leiharzt oder überhaupt kein Arzt". Schade, dass es immer noch Ärzte in zentralen Positionen gibt, die durch mangelndes Verständnis glänzen. Allein durch Schaffung von Studienplätzen ist das Problem sicher nicht zu beheben, da gibt es ganz andere Faktoren, wie zum Beispiel der ganz falsch eingesetzte Numerus Clausus.

Olaf Grenzer

Kammer warnt vor Leihärzten

Über solche Kommentare muss man sich wirklich wundern und sich die Frage Stellen, wo waren denn in den letzten Jahren die Herren Ärztefunktionäre. Es war genügend Zeit die Arbeitsbedingungen für den Nachwuchs zu gestalten. Aber vielleicht ist ja auch der fehlende Einfluß auf Honorarärzte eher das Problem. Geld wird dem System an ganz anderer Stelle entzogen, wie ist es denn mit den üppigen Vorstandsgehältern und Ruhestandsregelungen. Risiken bei den Organisationsabläufen entstehen nicht durch Honorarärzte, sondern durch mangelhafte Ausbildung, Zeitdruck,Personalmangel etc.
Arbeitsmodelle ändern sich nun mal mit der Zeit, auch im Arztberuf. Kammerbeiträge zahlen Honorarärzte im Übrigen auch, trotz solch unqualifizierter Äußerungen. Und den Ärztemangel behebt man sicherlich nicht durch Regressforderung, wie ja unlängst hier mehrfach berichtet wurde.


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