Krankenkassen

Kampf gegen Hörschäden spart der Gesellschaft Geld

14 Millionen Menschen mit Hörschäden lassen Fachleute von Volkskrankheit sprechen. Ihre Forderung: Die Kassen sollen Hörscreenings bezahlen.

Von Anno Fricke Veröffentlicht: 13.08.2011, 16:06 Uhr
Kampf gegen Hörschäden spart der Gesellschaft Geld

"Sag mal, hörst du schlecht", scheint diese Frau zu sagen. 14 Millionen Menschen in Deutschland gelten als schwerhörig.

© mm images/Fickinger / imago

BERLIN. Hörscreening als Kassenleistung für Menschen über 50 Jahre. Dafür setzen sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der Deutsche Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte ein.

Zudem sollte das Hörscreening Abrechnungsziffern für Hausärzte und HNO-Ärzte im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) erhalten, sagte KBV-Chef Dr. Andreas Köhler bei der Vorstellung der Forderung am Freitag in Berlin.

7,01 Euro für Hausärzte

Hausärzte sollten für ihren Beitrag zur Früherkennung 7,01 Euro erhalten, HNO-Ärzte für das tatsächliche Screening 14,54 Euro.

Diese Zahlen nennt der Münchner Professor Günter Neubauer, dessen Institut für Gesundheitsökonomik die volkswirtschaftliche Bedeutung von Hörschäden im Auftrag des HNO-Verbandes untersucht hat.

Mit rund 14 Millionen Betroffenen gehörten Hörschäden zu den großen, aber verkannten Volkskrankheiten in Deutschland, sagte Dr. Dirk Heinrich, Präsident des Verbandes der HNO-Ärzte. Schwerhörigkeit löse zudem Folgekrankheiten wie Depressionen und Demenz aus.

Hörstörungen könnten auch Unfälle verursachen. Je früher Schwerhörigkeit erkannt werde, desto besser sei ihr zu begegnen. Es ständen ausreichend Therapiemöglichkeiten zur Verfügung.

Nettoeinspareffekte möglich

Zwar entstehen dem Gesundheitswesen durch ein Früherkennungsprogramm Kosten. Schließlich fördert dies zwangsläufig eine höhere Zahl von behandlungsbedürftigen Hörschäden zu Tage.

Professor Neubauer weist jedoch auf Nettoeinspareffekte hin, die sich aus der Vermeidung von Folgeerkrankungen und von Arbeitsunfähigkeitstagen ergäben.

Auf das Jahr 2020 gerechnet stünden bei der gesetzlichen Krankenversicherung Mehrausgaben von 117 Millionen Euro Einsparungen bei der Behandlung von Folgeerkrankungen von 197 Millionen Euro gegenüber, hat Neubauers Institut ausgerechnet. Dies bedeute eine Nettoeinsparung von 80 Millionen Euro.

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