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Kasse will Odyssee psychisch Kranker beenden

Drei Monate warten psychisch kranke Menschen auf ein Erstgespräch beim Psychotherapeuten. Viel zu lang, findet die Barmer GEK. Nach Ansicht der Krankenkasse könnten Kriseninterventionen diese Wartezeiten verringern. Mehr Psychotherapeuten hingegen benötige man nicht.

Von Sunna Gieseke Veröffentlicht:
Eine Odyssee für psychisch kranke Menschen: Bis sie in einem Wartezimmer eines Psychotherapeuten sitzen, vergehen meist drei Monate.

Eine Odyssee für psychisch kranke Menschen: Bis sie in einem Wartezimmer eines Psychotherapeuten sitzen, vergehen meist drei Monate.

© imago/hake

BERLIN. Die Barmer GEK hat Ungleichgewichte in der psychotherapeutischen Versorgung bemängelt. "Wir brauchen weniger Psychotherapeuten in den Städten und mehr auf dem Land", sagte der Barmer GEK-Vize Rolf-Ulrich Schlenker anlässlich des Medizinkongresses "Mehr Aufmerksamkeit für psychische Erkrankungen" in Berlin.

Gerade in Universitätsstädten wie Tübingen, Freiburg oder Göttingen gebe es eine "extreme Überversorgung", so Schlenker.

Dort werde das Bedarfssoll bis zu 300 Prozent überschritten - in Berlin oder Hamburg seien es 150 Prozent. Dagegen herrsche auf dem Land und in Ostdeutschland ein Mangel an Spezialisten, vor allem für Kinder und Jugendliche.

Veraltete Bedarfsplanung bemängelt

Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) kritisiert jedoch seit Langem, dass die Bedarfsplanung der Psychotherapeuten veraltet sei. Die Verhältniszahl von Psychotherapeut je Einwohner seien vor elf Jahren festgelegt worden und beruhten auf den Zulassungen bis zum 31. August 1999, so die BPtK (wir berichteten).

Anlässlich des zu dieser Zeit in Kraft getretenen Psychotherapeutengesetzes sei der damalige Ist-Zustand einfach zum Versorgungs-Soll erklärt worden - tatsächlich seien jedoch viele Gebiete unterversorgt. Auch Barmer GEK-Vize Schlenker räumte ein: "Wir wissen, dass psychisch kranke Menschen sehr lange auf ein Erstgespräch warten müssen."

Eine Studie der Bundespsychotherapeutenkammer belegt sogar, dass psychisch Kranke durchschnittlich drei Monate auf ein Erstgespräch beim Psychotherapeuten warten (wir berichteten). BPtK-Chef Rainer Richter nannte die Wartezeiten kürzlich "viel zu lang".

Dem stimmte auch Barmer GEK-Vize Schlenker zu: "Diese Verzögerung erschwert eine angemessene Therapie und verlängert die Fehlzeiten am Arbeitsplatz."

"Vorhandene Effizienzreserven müssen aktiviert werden"

Nach Ansicht Schlenkers sind dennoch nicht - wie von der BPtK gefordert - mehr Psychotherapeuten für die Versorgung notwendig, statt dessen müssten "vorhandene Effizienzreserven aktiviert werden". Noch immer orientiere sich die psychotherapeutische Versorgung zu sehr an klassischen Vollzeitstellen und individuellen Langzeittherapien.

"An dieser Stelle müssen wir flexibler werden", forderte Schlenker. Kurzzeit- und Gruppentherapien sowie schnelle Kriseninterventionen seien oft geeigneter. Auf diese Weise ließen sich zudem Wartezeiten verringern.

Um diese Therapieformen umzusetzen, müsse die integrierte Versorgung gefördert werden. "Allerdings könnte das geplante Versorgungsgesetz den Abschluss von Selektivverträgen erschweren", so Schlenker.

Im Referentenentwurf zum Versorgungsgesetz sei geplant, dass IV-Verträge künftig mit bis zu 17 Aufsichtsbehörden abgestimmt werden müssten. Damit könnte sich das Versorgungsgesetz als "Wettbewerbsbremse" entpuppen.

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