HIV-Vorsorge

Kassen sollen Kosten für PrEP übernehmen

Gesundheitsminister Spahn will Anspruch für Menschen mit erhöhtem Infektionsrisiko regeln.

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BERLIN. Die gesetzlichen Krankenkassen sollen nach dem Willen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) künftig die Kosten für die HIV-Präexpositionspropylaxe (PrEP) übernehmen. Wer Anspruch auf eine Erstattung haben könnte, sollten GKV-Spitzenverband und KBV aushandeln, sagte er dem "Deutschen Ärzteblatt".

Binnen drei Monaten solle der Bewertungsausschuss eine Vergütung im EBM festlegen. Menschen mit erhöhtem Infektionsrisiko sollten einen gesetzlichen Anspruch auf ärztliche Beratung, Untersuchung und Arzneimittel zur Präexpositionspropylaxe erhalten, so der Minister. Noch in diesem Monat solle das Vorhaben begonnen werden.

Bislang müssen PrEP-Nutzer die Kosten selbst tragen. Laut Deutscher Aids-Hilfe (DAH) fallen dabei Kosten in Höhe von 50 bis 70 Euro monatlich an, dazu kämen ärztliche Beratung und Begleituntersuchungen. Knapp 5000 Menschen nutzen dies derzeit in Deutschland. DAH-Vorstand Winfried Holz begrüßte die Ankündigung.

Die neue Regelung sei ein Meilenstein für die HIV-Prävention. Die Kassenfinanzierung werde Menschen den Zugang zur HIV-Prophylaxe eröffnen und damit zahlreiche Infektionen verhindern. Er verwies auf eine Studie der Universität Rotterdam, wonach sich durch PrEP die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland bis 2030 um rund 9000 verringern ließen.

Holz und Spahn verwiesen auf Erfahrungen aus Australien, England und den USA, die zeigten, dass HIV-Infektionen dort zurückgingen, wo die PrEP zugänglich sei.Nichtinfizierte Menschen mit besonders hohem Risiko nehmen dazu vorsorglich ein HIV-Medikament mit zwei Wirkstoffen ein.

Die Deutsch-Österreichischen PrEP-Leitlinien zählen dazu hauptsächlich Männer, die Sex mit Männern haben. Aber auch Partner von Menschen mit HIV, Sexarbeiter, die ohne Kondom Sex haben und Abhängige, die sich intravenös Drogen injizieren.

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Kordula Schulz-Asche lobte ebenfalls Spahns Vorstoß. Prävention sei gerade bei HIV kostengünstiger als die Therapie und entlaste die Krankenkassen. Auch die privaten Kassen sollten die Kosten der PrEP übernehmen. Ein kostenfreier Zugang gleiche die Gesundheitschancen auch derjenigen an, deren niedriges Einkommen sie bisher von einem Zugang zu PrEP ausschlössen, sagte der Linken- Abgeordnete Achim Kessler. (bar)

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