Kassenärzte warnen vor Hausarzt-Notstand im Osten

BERLIN (ble). 18 Jahre nach der Deutschen Einheit steht die hausärztliche Versorgung in Teilen Ostdeutschlands offenbar auf der Kippe. So verzeichnet allein die Kassenärztliche Vereinigung Thüringens 117 unbesetzte Hausarztsitze.

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3. Oktober 1990: Vor dem Reichstag feiern die Berliner die Deutsche Einheit.

3. Oktober 1990: Vor dem Reichstag feiern die Berliner die Deutsche Einheit.

© Foto: dpa

"Wir stehen vor einem Zusammenbruch der hausärztlichen Versorgung", sagte die Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen, Regina Feldmann, im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

"Ein Drittel unserer Hausärzte ist älter als 60 Jahre, Nachwuchs ist derzeit nicht in Sicht", so Feldmann. Grund sei die geringere Honorierung der Mediziner im Osten. Die jüngste Vergütungsreform habe zwar einen Schritt in die richtige Richtung getan, es bleibe jedoch ein deutlicher Abstand zum Westen. Die KV-Chefin fordert daher einen "Zuschlag Ost" auf das Honorar in Höhe von zehn Prozent.

Auch in Sachsen-Anhalt ist die Lage nach den Worten des dortigen KV-Chefs Dr. Burkhard John vor allem in den ländlichen Regionen bereits kritisch. Falle dort von drei Hausärzten einer aus, sei die Versorgung gefährdet. In den vergangenen zehn Jahren sei die Zahl der Hausärzte bereits um rund 280 zurückgegangen.

Und diese Entwicklung wird weiter gehen: "13 Prozent der hausärztlichen Kollegen sind älter als 65 Jahre", sagte John. Das sind über 180 Ärzte. Dagegen beenden in Sachsen-Anhalt jährlich maximal 30 Mediziner ihre Weiterbildung zum Allgemeinarzt, nur ein Teil von ihnen lässt sich nieder.

In Brandenburg sind im Hausarztbereich fünf Kreise von Unterversorgung bedroht, oder besteht diese bereits. Bei der Kinderheilkunde droht in vier Kreisen Unterversorgung.

Lesen Sie dazu auch: Junge Hausärzte im Osten verzweifelt gesucht

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