Der Standpunkt

Keine Angst vor der Quotenfrau

Von Christiane BadenbergChristiane Badenberg Veröffentlicht:

Die Autorin ist Redakeurin im Ressort Gesundheitspolitik der "Ärzte Zeitung". Schreiben Sie ihr: christiane.badenberg@springer.com

Nun ist sie wieder da, die Diskussion über die Frauenquote. Und allein, dass im Jahr 2011 über dieses Thema immer noch debattiert wird, ist der beste Beleg dafür, dass wir sie dringend brauchen. Auch in der Medizin.

In Skandinavien ist es durch Quotenregelungen erfolgreich gelungen, mehr Frauen in gehobene Positionen zu bringen. Dass es diesen Ländern geschadet hat, davon ist nichts bekannt.

Eher hat es dazu beigetragen, die Lebenswirklichkeit - Frauen stellen nun einmal die Hälfte der Bevölkerung - auch in den Entscheiderpositionen abzubilden.

Mit Sicherheit hilft dies, dass sich überholte Strukturen ändern und bei der Suche nach Lösungen eine größere Vielfalt an Möglichkeiten präsentiert werden kann. Warum soll man sich dieser Chancen berauben?

Vor kurzer Zeit war in unserer Zeitung zu lesen, die Ärztekammer Niedersachsen halte eine Frauenquote in der Medizin für nicht erforderlich. Schließlich liege der Frauenanteil unter den Medizinstudenten mittlerweile bei über 60 Prozent. Wieviele Ärztinnen in Führungspositionen arbeiten, teilte die Kammer nicht mit.

Die Zahlen hätten sie auch Lügen gestraft. Der Frauenanteil bei C-4 Professuren liegt zum Beispiel nur bei vier Prozent. Sich darauf zu verlassen, dass Frauen künftig immer mehr Führungspositionen besetzen werden, nur weil sie die Mehrheit der Ärzte stellen, wäre naiv.

Es gab schon immer Berufe, in denen fast genau so viele Frauen wie Männer arbeiten, zum Beispiel in den Medien. An den entscheidenden Stellen sitzen bis heute meistens Männer.

Deshalb sollte auch an Universitäten oder in Krankenhäusern eine Frauenquote gelten, bis Ärztinnen in den Führungspositionen soweit vertreten sind, wie es in etwa ihrem Anteil am Berufsstand entspricht.

Diese Regelung könnte sich in nicht allzu ferner Zeit auch günstig für die Männer in der Medizin auswirken. Denn auch sie wollen doch nicht weitgehend von Führungspositionen ausgeschlossen bleiben, nur weil sie das falsche Geschlecht und einen anderen Arbeitsstil haben.

Lesen Sie dazu auch den Bericht: "Frauenquote hilft, die Versorgung zu verbessern"

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