Regierung in der Kritik

Klagewelle in Spanien wegen Pannen in Corona-Krise

Spaniens Patientenschutzverband geht gegen die Regierung wegen vieler COVID-Opfer vor. Vor allem in den Altenheimen gab es Tausende Tote.

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„Fahrlässige Tötung“ und „Unterlassene Hilfeleistung“: Die Vorwürfe gegen die spanische Regierung wiegen schwer. Nun sind Gerichte gefordert.

„Fahrlässige Tötung“ und „Unterlassene Hilfeleistung“: Die Vorwürfe gegen die spanische Regierung wiegen schwer. Nun sind Gerichte gefordert.

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Madrid. Auf die spanische Regierung rollt wegen der Corona-Krise eine gewaltige Prozesswelle zu. Seit Anfang der Woche sind verschiedene Sammelklagen am Obersten Gerichtshof in Madrid eingegangen.

Laut spanischen Medienberichten haben insgesamt 3268 Familien Ministerpräsident Pedro Sánchez und sämtliche Regierungsmitglieder wegen „fahrlässiger Tötung“ und „unterlassener Hilfeleistung“ im Zusammenhang mit den Corona-Opfern angezeigt.

In den kommenden Tagen sollen auch Klagen gegen die Gesundheitsberater der Regierung, konkret gegen den Leiter der Seuchennotfallzentrale Fernando Simón, wegen „Verhinderung der Hilfspflicht“ eingeleitet werden.

Fehlendes Schutzmaterial, der Kauf mangelhafter Schnelltests, Chaos und Fehlkoordination im Krisenmanagement: „Die späte und mangelhafte Reaktion der spanischen Politik hat viele zusätzliche Virusopfer gefordert. Diese Katastrophe wäre vermeidbar gewesen“, sagt Carmen Flores, Vorsitzende des spanischen Patientenschutzverbands.

Chefin der Madrider Regionalregierung steht in der Kritik

Ihr Verband forderte die Staatsanwaltschaft auf, auch Ermittlungen gegen die konservative Regierungschefin der Madrider Regionalregierung, Isabel Díaz Ayuso, einzuleiten. Angesichts überlasteter Krankenhäuser habe sie angeblich Anweisungen gegeben, an COVID-19 erkrankte Senioren über 70 Jahre nicht in die Kliniken einzuliefern, da ihre Überlebenschancen sowieso gering wären. Wenn alten Menschen die ärztliche Behandlung verwehrt worden sei, dann sei das „unmenschlich“ gewesen, so Flores.

In vielen Altenheimen seien die Menschen mit Virussymptomen sogar sediert worden, was bei einigen Senioren zum Tod geführt habe, so der Patientenschutzverband. Hunderte Senioren seien „einsam und verlassen“ gestorben, weil ihnen eine medizinische Behandlung von der Regierung verwehrt worden sei, wirft der Verband den politisch Verantwortlichen vor.

In keinem anderen Land Europas fielen derart viele Menschen in Seniorenheimen dem Virus zum Opfer wie in Spanien. Allein in den 700 Heimen in und um Madrid sind seit Ausbruch der Pandemie schätzungsweise 6000 Heimbewohner gestorben. Landesweit erlagen wahrscheinlich um die 17.800 Altenheimbewohner dem Virus. Mit 228.700 Infektionen und über 27.000 Toten ist Spanien eines der am schlimmsten von der Pandemie betroffenen Länder der Welt. (mame)

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